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erſte, worauf der Menſch, bei einigem Nachdenken uͤber ſich ſelbſt, aufmerkſam werden muſte. Ehe die Menſchen daran dachten, ſich dieſe noch unentwikelte Wahrheit deurlicher zu den⸗ ken, und ſich einen beſtimmten Begriff von der Narur ihrer Seele zu machen, waren ſie doch ſchon hinlaͤnglich davon uͤber⸗ zeugt, daß Seele und Körper zwey ganz verſchiedene Weſen ſeyn muͤſſen. Wenn wir uns ſelbſt fragen, wie wir am leich⸗ teſten und ſicherſten zu der Uiberzeugung von dieſer Wahrheit gelangen koͤnnen, und wie wohl waͤhrſcheinlich die Menſchen in den fruͤheſten Zeiten ſchon darauf gekommen ſeyn moͤgen: ſo enthalten die Worte unſers Autors, ſic ex memoria rerum, & inuentione,& celeritate motus, omnique pulchritudine vir- tutis vim diuinam mentis agnoſcito, die vollkommenſte und richtigſte Antwort darauf. 8...
Die Wahrnehmung der Menſchen, daß ſie Gedaͤchtnie⸗ faͤhigkeit beſizzen, daß ſie nach vielen Jahren ſich noch ſo ge⸗ nau an manche Umſtaͤnde ihres vorigen Lebens erinnern koͤn⸗ nen, erwekte nothwendig den Gedanken ſehr fruͤh, daß ihr den⸗ kendes Ich in der ganzen verfloſſenen Lebenszeit daſſelbe geblie⸗ ben ſeyn muͤſte, weil ſich mit dieſer Annahme nur allein erklaͤ⸗ ren lieſe, wie die mannigfaltigen Begebenheiten vieler Jahre wieder in der Erinnerung erneuert, und mit allen Umſtaͤnden, als wenn ſie gegenwaͤrtig geſchaͤhen, dargeſtellt werden koͤnnen. Die Erfahrung lehrte ſerner, daß der Koͤrper ſich von Zeit zu
Zeit ſehr veraͤndert hatre, daß er manche Theile ſeiner Mate⸗ rie, die er ehemals gehabt, verlohren, und dagegen andere neue bekommen hatte. Was konnte alſo der noch wenig nach⸗ denkende Menſch dennoch leichter daraus ſchlieſen, als daß in ſeinem Koͤrper nicht der Siz dieſes langen Bewuſtſeyns der vorigen Begebenheiten ſeyn koͤnne: ſondern daß in dieſem Koͤr⸗ per noch ein anderes Weſen, von einer unveraͤnderlichern Na⸗ —.. tur


