Aufsatz 
Über Kanzelvortrag / Franz Knoes
Entstehung
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18 V=.

Hofmeiſter; wahrlich, den nagts am Herzen, den peinigts au ſeinem Lager, daß es ſo iſt, wie es iſt. 7*

Auſſer einer geſunden aus der Geſchichte und dem gemei⸗ nen Leben geſchoͤpften Menſchenkunde, auſſer einem gruͤndlichen Studium der Philoſophie, einer richtig geleiteten Exegeſe und manchem andern, moͤchte ich in den Studienplan des einſtigen Predigers, ſo wie ſchöne Wiſſenſchaften, ſo beſonders auch an⸗ haltendes Studium ſeiner Mutterſprache einrücken. Ich wuͤßte nicht, wem dieſes mehr empfohlen zu werden verdiente, als dem Prediger. Ihm, der oft bei unerwartet ſich ereigneten Amtovorfaͤllen öffentlich auftreten muß, ohne daß er vorher Zeit ſich eruͤbrigen konnte, mit genauer Sorgfalt auf ſeinen Vor⸗ trag zu ſtudiren, wird es dann warm um die Stirn werden, eine zuſammenhängende Rede zu halten, falls ihm nicht Spra⸗ che und Ausdruck zu Gebote ſtehen. Nicht minder wird es den Zuhoͤrern bange um's Herz ſeyn, wenn dem Manne, dem ſie ihre Aufmerkſamkeit zu ſchenken gekommen ſind, der Faden einer ungefähr halbſtuͤndigen Rede zerreißt, und es ihm ſchwer faͤllt, ihn wieder zu knuͤpfen. Darum begnüget euch nicht, kuͤnf⸗ tige Prediger, eure teutſche Sprache im Umgange des gemei⸗ nen Lebens zu lernen. Jedem Gelehrten, ſei er auch, wer er wolle, iſt es Schande, ſollte es wenigſtens Schande ſeyn, ſeine eigene Mutterſprache nicht gruͤndlich zu wiſſen; bei euch aber hauptſachlich wuͤrde dieß die unruͤhmlichſte Nachlaͤßigkeit ſeyn. Denn ſelbſt durch die Kanzelſprache kann und muß die Spra⸗ che des Volks an Cultur gewinnen. Studiret teutſche Gram⸗ matik. Studiret vorzuͤglich eines Adelung Schriften. Freuen muß ſich der biedere Teutſche, daß man in unſern Schu⸗ len einmal angefangen hat, nebſt den Sprachen, die in Graͤ⸗ cien und Latium ſich bildeten, auch Thuiskons Sprache* der es ein Spiel iſt, ſingt Klopſtock,

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