Aufsatz 
Über Kanzelvortrag / Franz Knoes
Entstehung
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eee. 13

um die es zu thun iſt, binziehet, ihren Beifall gleichſam abno⸗ thigen will. n Das halbe Stuͤndlein iſt vorbei, die ſchoͤne Predigt wird von Herzen gelobt, aber von einem Herzen, das nicht tief iſt. Im Gegentheil, die Sache ſelbſt, die gan⸗ ze Ausarbeitung und Behandlung muß ſo geartet ſeyn, und der Prediger, ſelbſt durchſtrahlt von innigem Gefuͤhle des herr⸗ lichen Gegenſtandes, der ihn beſchäftigt, ſo von Herzen zu Herzen reden, daß er eben hierdurch tief und bleibend o ein⸗ greifet. Denn nicht Thraͤnen ſind hinreichend; was vertrocknet geſchwinder als dieſe!

Hiernach laͤßt ſich die oft, und beſonders in den pietiſti⸗ ſchen Streitigkeiten auſgeregte Frage entſcheiden, wie es um einen Prediger, der ſelbſt kein moraliſchgebeſſerter Chriſt iſt, beſchaffen ſei? Ob man ihm gar mit Fug und Reche er⸗ lauben koͤnne, die Heilswahrheiten andere zu lehren? Voraus⸗ geſetzer, daß ein ſolcher, der einmal ein geiſtliches Amt bekom⸗ men hat, kein ganz unmoraliſcher Mann iſt, nicht mit allem Vorſatze ſolche Suͤnden uͤbt, die ihn, auch wenn er eine an⸗ dere Stelle in der menſchlichen Geſellſchaft bekleidete, der Ent⸗ ſetzung ſeines Amtes werth machten; ſehe ich nicht ein, war⸗ um man ihm nicht forthin erlauben und ihn nicht fuͤr fäͤhig halten ſollte, andere in den bibliſchen Wahrheiten zu unterwei⸗ ſen. Freilich herrſcht der Unterſchied zwiſchen ihm und einem aͤcht chriſtlichgeſinnten Volkslehrer, daß er ſelbſt bloß Theoreti⸗ ker iſt, ja zuweilen ein ſolcher Theoretiker, welcher nicht ein⸗ mal herzlich wuͤnſchet, ſeine Theorie doch wenigſtens von an⸗ dern in Ausuͤbung gebracht zu ſehen; da der andere ſich dage⸗ gen auch als Prakeiker empfiehlt: wichtig genug, und in die Augen fallend, wie ſehr verſchieden, und wie hoͤchſt wuͤnſchens⸗ . B 3 werth,

n S. Quinctiljanus, inſtit, orat. IV, a. 0 Salomo's Prediger XII, It.