Aufsatz 
Einige Bemerkungen über den moralischen Charakter des römischen Geschichtsschreibers Caius Sallustius Crispus / Johann Friedrich Roos
Entstehung
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oraz, dem dieſe ſcandaleuſe Geſchichte, an deren Richtigkeit 52 Jweiſel deſe tande. unmoͤglich unbekannt ſeyn donare⸗ ihn mit dieſen Worten im Sinne hatte, wiewohl er ſich's, wie jeder Satiriker, gewaltig wuͤrde verbeten haben, wenn ei⸗ ner, der ſeine Sermonen noch bey ſeinen Lebzeiten commen⸗ tirt haͤtte, ſo was geradezu haͤtte verſichern wollen. So viel wenigſtens iſt richtig, daß ſich dieſe Stelle weit eher und mit mehrerer Wahrſcheinlichkeit auf unſern Geſchichtſchreiber deu⸗ ten lieſſe, als die obenangefuͤhrte; aber meine Abſicht war nur, einen neuen Beweis zu fuͤhren, was fi ein elendes und aus mehrern namenloſen Schmierern zuſammengeſtoppeltes Ding dieſer Cruqiuſſiſche Scholiaſt,* wenigſtens in ſehr vielen Stellen, ſey. Denn ſoviel bleibt doch allemal ausgemacht, daß, wenn in einer der angefuͤhrten Stellen von dem Geſchichtſchrei⸗ ber Salluſt die Rede waͤre, Horaz unmoͤglich in der andern, in welcher Wolluͤſtlinge von der ganz entgegengeſetzten Art auf⸗ gefuͤhrt werden, an ihn koͤnne gedacht haben. Und iſt das nicht Beweis genug, daß die oben allegirten Scholien zu die⸗ ſen beiden Stellen unmoͤglich aus einem und ebendemſelben Gehirne koͤnnen gefloſſen ſeyn?

Sehr gut und mit vieler Einſicht in die damalige Ver⸗ faſſung Roms und die Denkungsart ſeiner Buͤrger hat Wie⸗ . B 2 land

* S. beſonders von ihm Jani's literariſche Einleitung zu ſeiner vortref⸗ lichen Ausgabe des Boraz Th. I. S. XXXVI. u. f. Das allermeiſte, und, wie ich eben ſehe, auch einen groſen Theil von demienigen, wovon eben die Rede war, hat er aus den aͤltern Scholiaſten, ei⸗ nem Acron und Porpbyrion, erborgt. Und auch dieſe ſind durch allerhand Flicklappen des groſen Heers von Notenmachern, die ſie excerpirten, oder abſchrieben, jaͤmmerlich verunſtaltet. S. ebendaſ.

S. XLIII.