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gender Anekdote aufgeſtutzt: die Cenſoren haͤtten ihm vor den verſammelten Vaͤtern ſeine niedertraͤchtige Auffuͤhrung vorgeruͤckt, worauf er ganz ohne Scheu geantwortet habe, er mache nicht auf Matronen von Rang und Anſehen, ſondern auf die oben angefuͤhrten Schoͤnen Jagd. Und eben dieſe freche Antwort ha⸗ be ſie bewogen, ihn auf der Stelle aus dem Senate zu ſtoſſen.
Hier hat Wieland fuͤr's Erſte ſehr vortreflich und uüͤber⸗ zeugend dargethan, wie gar gering und unbedeutend das Zeng⸗ niß und die Glaubwuͤrdigkeit ienes Gloſſirers ſey, und dann noch auſſerdem gezeigt, daß ſeine Behauptung mit der damaligen Lage des Geſchichtſchreibers Salluſt, mit ſeinem Verhaͤltniß gegen den Auguſt, ſolglich auch gegen ſeinen Lieb⸗ lingsdichter, den Horaz, und, was das Wichtigſte iſt, mit der Stelle, welcher ſie zur Erlaͤuterung dienen ſoll, und mit der unmittelbar darauf folgenden in offenbarem Widerſpruche ſtehe. Ich ſetze hinzu, auch mit einer der kurz vorhergehen⸗ den, mit dem 41. und 42. B. Hier ſpricht Horaz davon, welcher Unſinn es ſey, ſeine zägelloſen Luͤſte bis auf Damen vom erſten Stande zu erſtrecken, und wie theuer die leckern Herrn dieſer Art oͤfters fuͤr die Befriedigung ihrer noblen Paſſion, wie ſie es ohne Zweifel nannten, buͤſſen muͤßten. Er fuͤhrt mehrere empfindliche und herbe Zuͤchtigungen an, die ſchon Manche, von denen iedoch dismal keiner mit ſeinem Na⸗ men bezeichnet wird, daruͤber haͤtten erdulden muͤſſen. Unter dieſen iſt einer, von dem es in der vorliegenden Stelle heißt: ille flagellis ad mortem caeſus. Nach unſerm belobten Noten⸗ macher iſt das abermals kein andrer, als der Geſchichtſchrei⸗ ber Salluſt, dem freylich in ſeiner Jugend einmal ſo etwas mit der ſchoͤnen Fauſta, der Tochter des Dictator Sulla und Gemahlin des Milo, paſſirt war.“* Es kann ſeyn,
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* S. Gellius XVII, 18. und Wieland am angef. Orte hin und wieder.


