Aufsatz 
Einige Bemerkungen über den moralischen Charakter des römischen Geschichtsschreibers Caius Sallustius Crispus / Johann Friedrich Roos
Entstehung
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goͤnnt, noch eine kleine Nachleſe von Bemerkungen, Zuſätzen und beſcheidenen Zweifeln zu liefern. Vielleicht wuͤrde ich zu einem Unternehmen von der Art weniger Muth und Ent⸗ ſchloſſenbeit haben, wenn mich nicht ſchon einmal eigne Er⸗ ſahrung belehrt haͤtte, mit welcher ſchonenden Nachſicht und ſtrengen Unpartheylichkeit gegen ſich ſelbſt dieſer groſe Mann anſtaͤndig vorgetragene Erinnerungen uͤber ſeine literariſchen Producte auch von angehenden Schriftſtellern aufzuneh⸗ men pflegt. Bereits vor mehrern Jahren wagte ich es,* ſeine meiſterhafte Verdeutſchung der Horaziſchen Briefe ausfuͤhrlich zu beurtheilen, und, wo ich mich von ſeinen Er⸗ klaͤrungen minder uͤberzeugt fuͤhlte, meine Gegengruͤnde ganz unverhohlen und freymuͤthig vorzutragen. Zu meiner groͤßten Freude und nicht geringen Aufmunterung wurde mein Werk einer ſehr guͤtigen Anzeige in einem der folgenden Stuͤcke des Deutſchen Mercurs gewurdigt, und das Meiſte von meinen Zweifeln und Gegenerinnerungen mit Beyfall aufgenommen. Vielleicht bin ich auch dismal ſo glücklich, wenn ſchon viel⸗ leicht ſeines Beyfalls, doch wenigſtens ſeiner Schonung und Nachſicht nicht zu verſehlen. Aber zur Sache.

Die Veranlaſſung, der wir die ganze vortrefliche Abhand⸗ lung, von welcher hier die Rede iſt, zu verdanken haben, war der F. V. in der II. Satire des I. Buchs, wo von einem Salluſt die Rede iſt, den ſein ausſchweiſender Hang zu ehe⸗ maligen Sclavinnen, C(lübertinis) und die ſinnloſe Verſchwen⸗ dung, mie der er ihnen Ehre, Vermoͤgen und faſt alles auf⸗ opferte, in Rom beruͤchtigt machten. Nach dem Scholiaſten des Cruquius, dem es hernach andre unzaͤhligemal nachgeſchrieben Pbene iſt hier kein andrer Salluſt gemeynt, als der groſe Geſchicht⸗ chreiber dieſes Namens. Dieſe Behaupenng wird noch mit ſol⸗

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* In dem 1. Pande meiner Bibliothek fuͤr Poͤdagogen S. 310. 25.