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zu warten, bis die jungen Leute ſchon zimlich geüͤbt im Denken und Urtheilen ſind, und im Stand ſind, eine Sache im Zu⸗ ſammenhang zu uͤberſehen. Ich halte die Zeit des 14ten oder 1sten Jahrs ohngefaͤhr fuͤr die Periode, wo ſich bei den Mei⸗ ſten dieſe Fäaͤhigkeiten entwikkeln. Obgleich Manche etwas ſruͤher oder ſpaͤter reiffen, ſo glaube ich doch dieſe mittlere Zeit uͤberhaupt feſtſezzen zu koͤnnen, weil man ſich einen vermiſchten Hauffen von jungen Leuten weder zu ſehr, noch zu wenig vollkom⸗ men vorſtellen darf: und von einzeln Ausnahmen iſt ohnehin we⸗ gen ihrer Selteuheit hier die Rede nicht. Wenn man in die⸗ ſem Alter mit dem Unterricht den Anfang macht, ſo iſt auch noch hinlängliche Zeit uͤbrig, ſich vor der Beziehung der Aka⸗ demie einen zimlichen Schaz von Vorkentniſſen in dieſem Fa⸗ che zu erwerben.
Bei der Beſtiimmung der Grenzen des mathematiſchen Schulunterrichts iſt dieſes die zweite Regel, daß man nur das vorzuͤglichſte, verſtaͤndlichſte und nuͤzlichſte aus dem weiten Um⸗ fang dieſer Wiſſenſchaft aushebt, und alle Theorien weglaͤßt, wel⸗ che noch nicht hinlaͤnglich, oder doch kaum mit der groͤſten Mähe gefaßt werden, oder von keinem ſonderlichen Nuzen ſind. Wenn alſo ein Lehrer tief in die Algebra mit ſeinen jun⸗ gen Schuͤlern gehen wollte, ſo wuͤrde dieſes gewis vielen zu ſchwer ſeyn, und ſie waͤrden daruͤber ganz die Begierde zum Lernen verliehren, oder ſich vielleicht mehr anſtrengen, als ih⸗ re jugendliche Kraͤfte erlauben. Von manchen Saͤzzen wuͤrden ſie auch noch wenig Nuzen ſehen, und alſo auch deswegen wuͤrde oͤſters der Eifer erkalten, weiter fortzuſchreiten. Was ſie in fruͤhern Jahren mit auſſerordentlicher Anſtrengung und Zeitverluſt erlernten, wuͤrden ſie nach gelegten Gruͤnden bei reifferm Alter mit der halben Muͤhe gefaßt haben.


