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Wiſſenſchaft fuͤr das jugendliche Alter ausgewaͤhlt werden muͤſ⸗ ſen.— Man duarf den eigentlichen ſcientifiſchen Unterricht darin auch nicht zu fruͤh treiben, weil dieſes auf einer andern Seite üble Folgen haͤben würde. Die Seele des Kindes iſt in der ſruͤhen Jugend ſelten faͤhig, mathemathiſche Beweiſe gehö⸗ rig einzuſehen, vielweniger ein ganzes Syſtem von ſolchen zu faſſen. Und wenn auch einige wenige wirklich dazu im Stand waͤren, ſo wuͤrde doch eine anhaltende ernſtliche Beſchaͤftigung mit denſelben ihren Geiſteskraͤften ſchaͤdlich ſeyn. Ich leugne da⸗ mit gar nicht, daß man auch Kindern ſchon manches davon bei⸗ bringen kann, wozu wir ſeit einiger Zeit einige ſchäͤzbare Anleitun⸗ tungen erhalten haben.* Aber dann bleibt es doch immer nur ein leichter Vorſchmak von Arithmetik und Geometrie, ohne uͤberall auf vöͤllig genaue und erſchoͤpfende Definitionen, oder auf ſtrenge Beweiſe zu ſehen. Oft begnuͤgt man ſich nur ih⸗ nen eine empiriſche Anleitung zur Auſiöſung der vornehmſten Aufgaben zu geben, und wartet mit dem viſſenſchaftlichen Vortrag bis in ein weiteres Alter.
Der eigentliche Zeitpunkt, wo man die Mathemarik als Wiſſenſchaft zu treiben anſangen kann, laͤßt ſich freilich nicht allgemein feſtſezzen, weil die Geiſteskraͤfte zu ſehr verſchieden ſind, und bei dem Einen läͤngere Zeit zur Entwitkelung brau⸗ chen, als bei dem Andern. Einige fangen ſchon frühe an, ei⸗ ne zimlich reiffe Beurtheilungskraft zu zeigen: Andere muͤſſen laͤnger Zeit haben, bis ſie eine Sache im Zuſammenhang faß ſen, und Schluͤſſe daraus ziehen können. Es iſt alſo am be⸗ ſten, ſo lange mit dem ſcientifiſchen Vortrag der Mathematik
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7* Seehe Thielens Lehrbuch der reinen Mathematik fuͤr Kinder und
nfaͤnger. Buſſens, Jakobi's und Michelſens Geomctrie fuͤr Kin⸗ der, u. g. m.


