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zu bringen? Ich geſtehe es, manchem wird es auffallend vor⸗ kommen, daß ich unternehme, den Werth einer Sache zu un⸗ terſuchen, der genugſam entſchieden iſt; und ſollt' ich ihm dies verargen koͤnnen? bedenke ich aber dagegen, wie ſehr es heuti⸗ ges Tags unter vielen Jünglingen Sitte wird, den Umfang der zu erkernenden Wiſſenſchaften ſtets mehr zu verengen, be⸗ trachte ich den Nuzzen, den es hat, eine auch laͤngſt anerkann⸗ te gute Sache oftmals in's Gedaͤchtnis zuraͤtzurufen, ſo glaube ich, eine nicht ganz undankbare Muͤhe zu aͤbernehmen.
Der Nuzzen des geographiſchen Studiums iſt allgemein. Es betrette einer die Laufbahn eines Gelehrten, oder er⸗ greife einen andern Beruf, ſo iſt ihm Geographie nützlich, ja nochwendig. Wie will erſterer nur etliche Jortſchritte inden Wiſ⸗ ſenſchaften thun, wenn er ſich nicht mit der Lage, der Natur der bekannteſten Oerter, mit der Verfaſſung der Laͤnder bekannt gemacht hat? Aießt er aͤltere, oder neuere Autoren, ſo kann ihm vieles nicht anders, als dunkel bleiben, wenn etwas von einem Land, Gegend, oder Stade, vorkommt, und er in der Geographie Fremdling iſt. Die Erdkunde wird freilich nicht allen Gelehrten in dem nemlichen Grade nöthig ſeyn, in dem ſie es z. B. einem Statiſticker iſt. Allein, daß ſie doch keiner ganz entbehren könne, ſollte dies noch eines weitlaͤuftigen Be⸗ weiſes bedürfen? Doch auch dies ſei mir, mit einigen Beiſpie⸗ len zu belegen, vergönnt.
Ein Theolog— wie will dieſer nur einigermaßen ohne Erdkunde ſeine Religionsbücher verſtehen, da ſie doch über die Haͤlfte hiſtoriſchen Inhalts find? Die Beſchreibung des Aufent⸗ halts der Patriarchen— der Wohnung der Iſraeliten in Ae⸗ gypten— des merkwuͤrdigen Zugs derſelben nach Palaͤſtina— iheer nachmaligen Trennung in’s Jüdiſche und Iſraelitiſche Reich— ihrer Wanderung in's Babyloniſche Exil——
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