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— 19 Bisher haben wir unſern Soſia von Seiten ſeines Ver⸗ ſtandes kennen gelernt, Terenz hat es nicht vergeſſen, ihn auch von Seiten des Herzens zu zeichnen. Ich muß alſo noch kuͤrzlich, um das Gemaͤhlde zu vollenden, die wenigen Zuͤge, die dahin gehoͤren, entwickeln. 5
Die Treue und Redlichkeit, die der Alte an ihm ruͤhmt, machten ihn zu dem Vertrauten ſeines Herrn vorzuüglich ge⸗ ſchickt. Man findet keinen vernuͤnftigen Grund, ihm dieſe Tu⸗ genden abzuſprechen; aber— mir wenigſtens kommt es ſo vor— auch in dieſer Ruͤckſicht moͤchte er gern mehr ſcheinen, als er wuͤrklich iſt. Ein hoher Grad von Kaͤlte und Unem⸗ pfindlichkeit, eine Seele, die weder zu lebhafter Freude noch Traurigkeit geſtimmt iſt, turz, die in der Ruhe, in der Schläfrigkeit, in die ſie ſich eingewiegt hat, ihre groͤſte Behag⸗ lichkeit findet, und ſich durch nichts ſo leicht daraus erwecken laͤßt, das iſt doch wohl der allgemeine Character der Leute, die bey ieder Gelegenheit mit ihren Sittenſpruͤchen bey der Hand ſind, bey ieder Veranlaſſung die Klage im Munde fuͤhren, daß die Zenren taͤglich ſchlimmer werden. So wenig alſo ein lebhafter
ntheil an dem Schickſal eines andern, auch ſelbſt ſeines Herrn und Wohlthaͤters, ein ſtarkes Intereſſe fuͤr die Angele⸗ genheiten deſſelben ſich von ihm erwarten laͤßt, ſo ſehr ſucht E, dicſ Tugenden zu affectiren. Er zittert bey ieder ſchickli⸗ chen Beranlaſſung, triumphirt uͤber ieden Umſtand, der für ſeinen Herrn gunſtig zu ſeyn ſcheint. Simo erzaͤhlt ihm (B 43.) daß ein ſchönes und noch ganz iunges Maͤdchen von Andros in ihre Nachbarſchaft gezogen ſey. Ach! ſagt er, ich fuͤrchte, die macht uns Haͤndel! Als er aber hernach hoͤrt, Chryſis, ſo hieß das Maͤdchen, ſey geſtorben, ſo bricht er in einer Art von Extaſe in die Worte aus: O ſchoͤn! nun wird eo mir wieder ganz leicht, mir war bang C 2 vor


