Aufsatz 
Über den Charakter des Sosia in der Andria des Terenz / Johann Friedrich Roos
Entstehung
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===S=8. 15

ſern nicht unangenehm ſeyn, unſern Soſia von der Seite näͤher kennen zu lernen.

(V. 24 f.) Simo. Sieh, Soſia, als er(der Sohn) nunmehr herangewachſen war, und ich ihn in Anſehung ſeiner Lebensart nicht mehr einſchraͤnkte, denn, vorher, ſo lang er noch ein Knabe war, noch unter der Zucht, unter dem Paͤ⸗ dagogen ſtand, war es nicht moͤglich von ſeinem Character et⸗ was mit Gewißheit zu ſagen

Soſia. Natuͤrlich!

Simo. Da machte eres gar nicht, wie der groͤſte Theil unſrer iungen Leute. Von dieſen kann man faſt ohne Aus⸗ nahme ſagen, ein ieder hat ſeine Lieblingsneigung, an die er ſich mit ganzer Seele haͤngt. Der eine hält ſich Pferde, der andre Jagdhunde, ein dritter beſucht die Hörſäle der Philo⸗ ſophen. Keins von allen dieſen Dingen hatte einen vorzuͤgli⸗ chen Reitz fuͤr meinen Sohn, er trieb ſie alle, aber iedes mit Maas und Ziel. Das freute mich.

Soſia. Und das mit Recht. Denn meinem Bedunken nach bleibt es immer eine goldne Lebensregel: Zuͤhſch bey der Mittelſtraſſe geblieben!

Simo. Dieſem Grundſatz blieb er ſtets treu. Jeder von ſeinen Geſellſchaftern war ihm recht, mit iedem konnte er auskommen. Es uͤberließ ſich ihnen ganz, ſchickte ſich in ihre Launen, hielt keinem das AWiderpart, wollte vor keinem etwas voraus haben. Die leichteſte Manier, nneingeſchraͤnkten Bei⸗ fall zu erhalten und ſich Freunde zu machen.

Soſia. Das hat er ſehr gut gemacht. Denn wer heut⸗ zutag ſich Freunde machen will, muß brav hofiren; ſagt einer die Wahrheit, dem zeigt man die Thuͤre.

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