Aufsatz 
Über den Charakter des Sosia in der Andria des Terenz / Johann Friedrich Roos
Entstehung
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Simo. Ja Soſia, und in ſeiner Miene ſo ſittſam, ſo reitzend, bis zum Entzuͤcken! 1

Man kann ſich nichts erbaͤrmlichers denken, ats die An⸗ merkung, die Bentley zu dieſer Stelle macht: Bona ad Simo- nis orationem referendum cenſeo, quod ratio non conſtat, cur Soſia, rei ignarus, de bona forma potius, quam de mediocri harioletur. Itaque fortaſſe abſolute poſitum eſt conſentientis quidem, ſed dubitanter& tepide.(trepide) Das heiſt doch wohl den Unſinn und die Sucht zu emendiren aufs hoͤchſte getrie⸗ ben! Aber auch ſchon wieder ein Beweis, wie wichtig, oder vielmehr, wie unentbehrlich es zur Interpretation unſers Au⸗ tors fey, in die Charactere, die er uns vorfuͤhrt, ſo tief, als möͤglich, einzudringen.

Ich habe mich ſchon daruͤber erklaͤrt, daß, ſo gros auch der Verſtand und die Einſichten des ehrlichen Soſia in ſeinen Augen waren, Terenz ihn uns doch vermuthlich als einen Menſchen von ganz gemeinen Fähigkeiten ſchildern will. Er laͤßt ihn immer in einem treuherzigen Tone ſprechen, vergißt aber nicht, ihn dabey ſtets mit einer ſehr altklugen, gravitaͤti⸗ ſchen Miene zu zeichnen. Der wahre Character eines Men⸗ ſchen, der ſich, ſo wenig er auch dazu berechtigt iſt, auf die Superioritaͤt ſeiner Einſichten viel zu gut thut. Dahin gehoͤrt vorzuͤglich auch der groſe Reichthum des Menſchen an Sprich⸗ woͤrtern; zu allem, was man ihm ſagt, hat er ſogleich einen Gemeinplatz, eine Sentenz; der wahre Pendant zu dem San⸗ cho Panſa des Don Quixote, oder dem Pedrillo des Don Sylvio. Ich halte das fuͤr einen der unterhaltendſten und meiſterhafteſten Zuͤge der ganzen Scene, der meiner Meynung nach gar nicht zu verfehlen war, und doch kaum wird man mir das glauben konnten die Herrn auch diesmal den Wald voͤr den Baͤumen nicht ſehen. Ich hoffe, es wird Benen e

8. ern