Aufsatz 
Über den Charakter des Sosia in der Andria des Terenz / Johann Friedrich Roos
Entstehung
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Ich erinnere mich deſſen noch wohl. Dieſe Worte hat⸗ te ich oben im Sinne, als ich ſagte, daß Soſia ſeinen Unwillen zuerſt auf eine verſtektere Art merken laſſe. Donat iſt hier auf halbem Wege ſtehen geblieben; er erklaͤrt die Worte ganz richtig, aber, warum ſie gerade ſo und nicht anders gewahlt ſind, davon ſcheint er nichts gewittert zu haben: Plus dixit in memoria habeo, quam ſi dixiſſet, ſcio. Nam quae ſcimus, poſfumus obliuiſci: quae vero memoriae commendamus, nunquam amittimus. Der Freygelaſſene, muß man ſich denken, macht hier ein ſaueres Ge⸗ ſicht, laͤſt man erlaube mir dieſen Ausdruck das Maul hängen, und ſtoͤſt die Worte mit Verdruß und Aerger her⸗ aus. Bey keinem der Commentatoren des Terenz finde ich nur eine Spur von dieſer Bemerkung; daß man aber, um ſeinen Autor zu penetriren, ſich beſtaͤndig ſo in die Lage, in den Gemuͤthszuſtand der Perſonen hineindenken muſſe, hat Leſſing im zweyten Th. ſeiner Dramaturgie S. 142. vor⸗ treflich gezeige.*Nur iſt oͤſters, um hinter alle Feinheiten des Terenz zu kommen, die Gabe ſehr noͤthig, ſich das Spiel des Acteurs dabey zu denken, denn dieſes ſchrieben die alten Dichter nicht bey. Die Declamation hatte ihre eigene Kuͤnſt⸗ ler, und im Uebrigen konnten ſie ſich ohne Zweifel auf die Einſicht der Spieler verlaſſen, die aus ihrem Geſchaͤfte ein ſehr ernſtes Studium machten. Niicht ſelten befanden ſich unter dieſen die Dichter ſelbſt; ſie ſagten, wie ſie es haben wollten; und da ſie ihre Stuͤcke uͤberhaupt nicht eher bekannt werden lieſſen, als bis man ſie geſehen und gehoͤrt hatte, ſo konnten. ſie es um ſo mehr uͤberhoben ſeyn, den geſchriebenen Dialog durch Einſchiebſel zu unterbrechen, in welchen ſich der beſchrei⸗ bende Dichter gewiſſermaſſen mit unter die handelnden Perſonen zu miſchen ſcheint. Wenn man ſich aber einbildet, daß die alten Dichter, um ſich die Einſchiebſel zu erſparen, in den Reden ſelbſt iede Bewegung, iede Gebehrde, iede Miene, je⸗

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