Aufsatz 
Über den Charakter des Sosia in der Andria des Terenz / Johann Friedrich Roos
Entstehung
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geringſten Uebergange ſo feine Schattierungen in Acht genom⸗ men, daß man nicht aufhoͤren kann, ihn zu bewundern. Ich wage es, die zerſtreuten Zuͤge dieſes meiſterhaften Gemaͤhldes zu ſammlen, und Kenner moͤgen entſcheiden, ob der gute Te⸗ renz auch wirklich an das alles gedacht habe, oder ob ich vielleicht aus Begierde, da etwas zu ſehen, wo andre nichts bemerkten, blos meine Einbildungen ihm untergeſchoben habe.

Soſia iſt, wie uns gleich anfangs geſagt wird, ein Frey⸗ gelaſſener des Simo, ſeinem Alter nach vermuthlich denn mehr, als Probabilitaͤt, findet hier freilich nicht ſtatt zwi⸗ ſchen vierzig und funfzig. Juͤnger kann er wohl nicht ſeyn, weil er, wie wir unten ausfuͤhrlicher ſehen werden, gar zu ſehr den Altklugen macht, gar zu ſehr auf das Verderben der letzi⸗ gen Zeit ſchmaͤhlt; aber auch nicht leicht aͤlter, denn Simo ſagt, er habe ihn als ein Kind gekauft. Er vertritt bey die⸗ ſem, der ihn von Jugend auf treu und redlich fand und ihm eben deswegen die Freyheit ſchenkte, die Stelle eines Haushoſ⸗ meiſters, eines Oberaufſehers in der Küche und im ganzen Hau⸗ ſe, und hat das uneingeſchränkte Vertrauen ſeines Herrn. Aber dieſe Dignitaͤt fuͤhlt er auch ſo ſtark, betrachtet ſie ſo ſehr blos als einen gebuͤhrenden Lohn ſeiner Verdienſte, daß er ſelbſt ſeinem Wohlthaͤter wenig gute Worte giebt, und ſich nichts gegen ihn uͤbel nimmt. Dieſer fuͤhrt ihm vom achten Vers an recht nachdruͤcklich und, nach Art der Alten, mit vieler Geſchwäͤtzigkeit zu Gemuͤthe, wie viel er ihm zu verdan⸗ ken habe, um ihn in dem vorliegenden Fall zu einer treuen und willigen Befolgung ſeines Auftrags zu ermuntern. Un⸗ ſerm Ehrenmanne will das gar nicht behagen, welches er an⸗ fänglich auf eine verſtektere Art zu erkennen giebt, endlich aber, als es der Alte gar nicht merken will, ohne alle Zuruͤk⸗ haltung und mit einem bohen Grad von Unwillen. Doch wir wollen ſie ſelbſt hoͤren.(B. 3. u. f.) Si⸗