Aufsatz 
Über den Charakter des Sosia in der Andria des Terenz / Johann Friedrich Roos
Entstehung
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Vielleicht kann ich in der Folge meiner gegenwaͤrtigen Abhand⸗ lung dieſes, freilich etwas harte, aber gewiß nicht ungegruͤnde⸗ te, Urtheil mit einigen äuffallenden Beiſpieſen belegen. Do⸗ nat iſt noch der einzige, der bey ſeinen Erklaͤrungen bisweilen auf die Charactere der Perſonen Aufmerkſamkeit hat, und man kann ihm das Lob nicht verſagen, daß er oͤfters darinn gluͤcklich iſt. Seine Nachfolger ſind auf dieſer Bahn faſt keinen Schritt weiter gegangen, ſie begnuͤgten ſich groͤſtentheils, was freilich weit leichter und bequemer war, ihn auszuſchreiben. Daher kommt es, daß das meiſte, was man bey den Com⸗ mentatoren des Terenz uͤber die Charactere eines ieden Stuͤcks findet, blos in allgemeinen von der Oberflaͤche abgeſchopften Machtſpruchen beſteht. So ſind z. E. vor dem Maͤdchen von Andros, das gewiß, auch von dieſer Seite betrachtet, eins der vollkommenſten Producte der Terenziſchen Muſe iſt, in der Lindenbrogiſchen Ausgabe die Charactere der Hauptper⸗ ſonen(idiomata perfonarum praecipuarum) auf folgende Art angegeben: Kimo pius in filium, ſed natura vehementior. Pam- philus pius in patrem, ſed fdeliter amans,& cordatus vt ado- leſcens. Dauus vafer ac ſpei pertinacis. Charinus ſimplex ac nullius conſilii. Byrrhia Dauo diſimillimus, deſperandi auctor. Crito pauper, ſed ob probitatem impatiens contume- liae. Chremes pius in filiam, alioqui Simonis diſſimillimus, in- genio ſedato& placido, componens omnia. Muſis callida & herae amans. Alles ganz richtig und gut! Aber war das auch eine Kunſt, ein ſo ganz allgemeines Urtheil uͤber Perſo⸗ nen, die das ganze Stuͤck durch in Activitaͤt ſind, hinzuwer⸗ fen? Das koͤnnte doch wohl zur Noth ieder, der das Luſtſpiel nur ein einzigesmal fluͤchtig durchgeleſen haͤtte! Ueber den Cha⸗ racter des Soſia wird gar nichts erinnert, vermuthlich, weil er nur in der erſten Scene des erſten Aufzugs, und dann im ganzen Stuͤck nicht wieder, vorkommt, vermuthlich, weil er aach