Aufsatz 
Über den Charakter des Sosia in der Andria des Terenz / Johann Friedrich Roos
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1* 1*.. 4 ters, den er ſchildert, zu beurtheilen, die zerſtreuten Zuͤge deſ⸗ ſelben, zu ſammlen, ein zuſammenhaͤngendes Ganze daraus zu entwerfen, und ſo, indem man dem Dichter Schritt vor Schritt folgt, zu zeigen, wie getreu er die Natur copirte, wie gros ſeine Kenntniß der Welt und des menſchlichen Herzens geweſen ſeyn muͤſſe. Der bekannte Ausſpruch des Grotius, alia pueri in Terentio legunt, alia viri, ſteht an der Spitze faſt ieder Ausgabe deſſelben, und doch kann man auf den groͤ⸗ ſten Theil ſeiner Interpreten das Urtheil anwenden, welches der iuͤngere Scaliger von ihm faͤllte. Seine Schoͤnheiten, ſagt er, gehn uͤber allen Ausdruck, aber unter hundert unſrer Gelehrten iſt kaum einer ſcharfſichtig genug, ſie zu entdecken. (Incredibiles eius lepores vix centeſimus eruditorum quisque vi- det.) Herr Prof. Zeune war einſt entſchloſſen, wie er in der Vorrede zu dem zweyten Theil der von ihm neu herausgege⸗ benen Lindenbrogiſchen Edition des Terenz ſagt, unter andern Abhandlungen zur Aufklaͤrung des Dichters und zur naͤhern Entwicklung ſeiner mannigfaltigen Schönheiten auch der Kunſt, mit der er ieden Character auf das getreueſte zu zeichnen und durchzufuͤhren weiß, eine eigne Betrachtung zu widmen. Scha⸗ de, daß andre Beſchaͤftigungen ihn an der Ausfuͤhrung ſeines Vorhabens hinderten, ſchade, daß niemand, der ſich ſtark ge⸗ nug dazu fuͤhlte denn iedermanns Sache iſt es freilich nicht ſich ermuntern ließ, dem Terenz von dieſer Seite ein neues Licht anzuzuünden. Denn die Bemerkung kann kei⸗ nem aufmertſamen und geſchmackvollen Leſer deſſelben entgan⸗ gen ſeyn, daß unzählige Stellen in ihm blos deswegen von den alten und neuen Inrerpreten ſind misverſtanden und auf das erbaͤrmlichſte mishandelt worden, weil ſie auf dieſen Punct zu wenig Ruͤckſicht nahmen, oder vielmehr, um das Kind beym rechten Namen zu pennen, weil ſie für ſolche feinere und verſtecktere Schönheiten zu ſtumpf, zu blödſichtig waren. A 3 Viel⸗