Aufsatz 
Erklärung des 58ten Psalmes / Johann Georg Friedrich Leune
Entstehung
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Mann ſieht, es werden um den plöoͤzlichen fuͤrchterlichen Untergang der ungerechten Richter vorzuſtellen, lauter Bilder von vergaͤnglichen Dingen gebraucht, die, ehe ſie noch zu ih⸗ rer eigentlichen Beſtimmung und Reife kommen, ſchon ihr Ende finden.

10.) Dieſer Vers hat den Auslegern die meiſte Schwie⸗ rigkeit im Pſalm gemacht. Nach meiner Erklaͤrung wird er ſo uͤberſeit: Eh noch eure Dornen am Dornſtrauch hervor⸗ kommen, wenn er noch friſch da ſteht, muͤſſe ein fuͤrch⸗ terlicher Brand in ihm entſtehen. Das Bild will ſagen: ihr ſeid dem Lande izt ſo gefaͤhrlich, wie Dorngebuͤſche den Aek⸗ kern; aber wie dieſe, eh' noch die ſchaͤdlichen Dornen darinn hervorwachſen, oft ein Feuer verzehrt, ſo wird das Ende iener Boͤſewichte ſein; ſo viel Ungluͤk ſie izt, dem Lande drohen, ſo werden ſie doch, eh' ſie noch alles zu verderben im Stande ſind, ausgerottet werden.

Viele der aͤltern Ausleger auch Grotius gaben dem Vers einen ganz andern Sinn. myd waren ihnen nach einer an⸗ dern Bedeutung des Wortes Gefaͤſe, worinn etwas gekocht wird, daraus denn dieſe Ueberſezzung entſtund: ehe noch eu⸗ re Gefaͤſe den Dornſtrauch empfinden, d. i. ehe ſie noch von ſeinem Feuer erwaͤrmt werden, wenn die Speiſe darinn noch roh iſt n 150) muͤſſen ſie im Forn, wie vom Sturm weggefuͤhrt werden. Grotius: Priusquam caldaria veſtra ſentiant rhamnum(ignem ex rhamno, qui celerrime ardescit & calefacit) ſic vos quaſi viventes abſorbebit ira dei turbine i. e. rapidiſſime. Mann ſieht dieſer Erklaͤrung an, daß mann in der Verzweiflung erſt ſeine Zuflucht zu ihr genommen hat. Das wegführen des Sturms war allerdings weit natürlicher von Dornen, als don einem Topf uͤberm Feuer zu verſtehen. Wie ſoll der Dichter zu einem ſolchen Bilde kommen? Noch Herr Moſes Mendelſohn iſt in ſeiner vorrreſlichen

eber⸗