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iſt alles, was einer hoͤchſt ſinnlichen Darſtellung zur Ruͤhrung und Beluſtigung der Leſer fäͤhig iſt, Obiekt derſelben. Sie hat einen weitern Ulmfang als die Beredſamkeit: es iſt dem Dichter, weil er hauptſaͤchlich für das Vergnugen arbeitet, erlaubt, da wo ihm die Natur zu arm iſt, ſich ſelbſt einen Stoff zu erſchaf⸗ fen, wie er ſich ihn wuͤnſchet. Allein mus er dieſes immer thun? Die Erfahrung beweiſet, daß das dichteriſche Genie die 3 Wahrheit, ſie beſtehe in Begebenheiten, Empfindungen oder Lehren, mehr oder weniger mit Erdichtung vermiſcht, eben ſo wohl als bloſe Nachahmung und Fittion, hoͤchſt ſinnlich zum Vergnügen vorſtellen koͤnne. Warum will man ſolchen Wer⸗ ken, worin dieſes geſchieht, den Nahmen wahrer Gedichte ſtrei⸗ tig machen? Die Ode und das Lehrgedicht(denn dieſe müſſen durchaus einerlei Schikſal haben) deren Gegenſtand wahre Em⸗ Empfindungen und wahre Gedanken ſind, ſind alſo nicht weni⸗ ger Gedichte, als das Drama und die Epopoͤe, welche ſehr oft bloſe Erdichtung vortragen. Ich ſage ſehr oft: denn giebt nicht Batteux ſelbſt zu, daß ihr Stoff nicht ſelten wahre Geſchichte ſey? Und beweiſt nicht die Erfahrung, daß oͤfters in derglei⸗ chen Werken faſt eben ſo viel Wahrheit als in Lehrgedichten herrſche? Hiermit aber, wenn man die Sache genau nehmen will, kan der Grundſaz der Nachahmung nicht beſteheu. Und wenn man auch hier alle Digreſſionen und dichteriſche Zuſaͤze abſchnitte, und hernach das Uebrige füͤr unpoetiſche ſimpie Er⸗ zaͤhlung ausgaͤbe?— Das geht unmoͤglich an!— Das weis ich wohl! aber geht es dann beſſer an, daß Batteux aus dem lehrenden Gediche die mit dem Ganzen ſo unzertrennlich ver⸗ webten Epiſoden und poetiſchen Ausſchmuͤckungen herausreiſt, und hernach das Uebrige fuͤr verſificirte Proſe verkauft?*
Doch
* Ueber dieſe ganze Materie kan Herrn Schlegels Abhandlung von dem hochſten Grundſaz der een d welche— verdeutſchten Bat⸗ teux beigefuͤgt hat, nachgeleſen werden.


