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und anderer Alten, welche das Wahre ganz aus der Poeſie verbannen, und das Weſen derſelben blos in Erdichtung des Wahrſcheinlichen ſezen, behauptet er mit St. Mard, Sonte⸗ nelle u. a. m. daß das hoͤchſte Geſez des Dichters ſey, die ſchoͤne Natur nachzuahmen, oder ſich ſeinen Stoff durch ver⸗ ſchoͤnerte Nachbildung der Charaktere, Sitten, Reden, Hand⸗ lungen und Schikſale aus der wirklichen Welt, zu erſchaffen. So ſchoͤn dieſer Grundſaz auf die epiſche und dramatiſche Dicht⸗ kunſt paßte; ſo wenig wollte ſich die lyriſche und didaktiſche Poeſie demſelben unterwerfen. Was war alſo zu thun? Ent⸗ weder muſte man ſie mit Gewalt darunter zwingen; oder die Ode und das Lehrgedicht ienem Grundſaz aufopfern und ihm zu Gefſallen aus dem Gebiete der Poeſie ausſchlieſen; oder end⸗ lich den Grundſaz ſelbſt aufgeben. Das lezte waͤre nun frei⸗ lich das Kluͤgſte geweſen: allein auch groſe Maͤnner koͤnnen nicht immer uͤber Vorurtheile ſiegen. Batteux zum wenigſten konte es nicht. Seinen Grundſaz wollte er behalten: das harte er feſt beſchloſſen. Indeſſen ſah er wohl ein, daß er ſeinen gan⸗ zen Kredit in Gefahr ſezen wuͤrde, wenn er es wagen wuͤrde, der Ode ihr poetiſches Anſehen ſtreitig zu machen. Deswegen bot er allen ſeinen Scharfſinn auf, um zu beweiſen, daß der lyriſche,Dichter nicht aus wahrer, ſondern aus nachgeahmter Empfindung ſinge. Doch ſcheint es, der gewaltſame Zwang, womit er die lyriſche Dichtkunſt ſeinem Grundſaz zu unterwer⸗ fen geſucht, habe ihn allzuviel Muͤhe gekoſtet, als daß er mit der lehrenden Poeſie einen gleichen Verſuch habe wagen wol⸗ len; ob er gleich vielleicht dieſer mit eben dem Rechte nachge⸗ ahmte Gedanken, als iener nachgeahmte Empfindungen haͤtte zuſchreihen koͤnnen. Der turzeſte Weg ſchien ihm alſo den Kno⸗ ten, anſtatt ihn aufzuloͤſen, zu zerhauen, und alle didaktiſche Gedichte auſſer den Graͤnzen der eigentlichen Poeſie zu verban⸗
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