Aufsatz 
Einige Bemerkungen über den hebräischen Elementarunterricht auf Schulen / Johann Friedrich Roos
Entstehung
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gen die Methode, dieſe einem ieden kuͤnftigen Gottesgelehrten unentbehrliche Sprache zu lehren, ihrer Vollkommenheit immer naͤher koͤnne gebracht werden. Denn auch in unſern Tagen hört man noch oͤfters uͤber unbeſiegbare Schwuͤrigkeiten bey Er⸗ lernung derſelben klagen, noch iſt es kein ſeltnes Phaͤnomen, Juͤnglinge auf Akademien kommen zu ſehen, denen es weder an Fleis noch an Talenten fehlt, die auch bereits in andern Faͤ⸗ chern ſich ſchoͤne Vorkenntnuͤſſen geſammlet haben, die aber in der Hebraͤiſchen Sprache, ohngeachtet ſie der Erlernung derſelben ſchon mehrere Jahre auf Schulen gewidmet hatten, noch ſo weit zuruͤck ſind, daß ſie ſich genoͤthiget ſehen, ſich nun wieder ganz von neuem mit den erſten Anſangsgründen derſel⸗ ben zu beſchaͤftigen.

Waͤre es alſo nicht vielleicht rathſamer, dieſe Sprache aus den Graͤnzen des Schulunterrichts voͤllig zu verbannen, und ſie dem akademiſchen Lehrer ganz allein zu uͤberlaſſen? Schon oͤfters hat man hier und da Vorſchlaͤge dazu gethan. Allein ſo wohlmeynend ſie auch geweſen ſeyn moͤgen, ſo noͤthigen mich doch mehrere Gruͤnde, ihnen meinen Beyfall zu verſagen. Denn ſo ſehr man auch heutzutage von dem leidigen Vorurtheile ſich losgeriſſen hat, das lange genug die meiſte unſrer Schulen dem Tadel eines ieden vernuͤnftigen preis* gab, als wenn der Un⸗ terricht in Schulen blos auf Sprachen ſich einſchraͤnken, als wenn mann die köͤſtliche Jahre des erſten Alters blos mit aͤngſt⸗ lichem Memoriren von Vokabeln und Phraſen ſaͤttigen, und den Verſtand gar nicht durch andre Kenntnuͤſſe, von denen jeder taͤglich Gebrauch machen, und ohne deren Huͤlfe er keine Sprache mit Vernunft lernen kann, ausbilden muͤſſe, ſo weiß doch ieder Kenner, daß Sprachen immer ein ganz vonsfglicher

egen⸗ * Schon petron ſagt von den Schulen ſeiner Zeit; ego adoleſcentulos exiſtimo tin ſcholis ſtultiſſmos fieri, quid nihil ex iis, quae in

vſu habemus, aut audiunt, aut vident. Satyr. c. 1.