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Indem Chatel auf solche Weise seine Religion durch den Patriotismus zu stützen sucht, schlägt er sich eine tiefe Wunde. Er tritt in einen schneidenden Wi- derspruch mit sich selbst. Denn wenn er vorher von seiner Religion alle Beschrän- kung bis zu dem Punkte entfernt, dass sie selbst den Charakter der christlichen ver- liert, so zeigt er sich jetzt als im ärgsten Particularismus befangen. Der Franzose spielt ganz nur die Rolle des Judep. Frankreich ist die Sonne, alles Andre tritt in den Rang der kreisenden Planeten. Die Religion aber ist Sache des Menschen, nicht des Staatsbürgers. Die Religion muss deshalb auf Allgemeingültigkeit Anspruch ma- chen. Je mehr Elemente des Particularismus in einer bestimmten Religionsform sich finden, desto weniger wird sie den Charakter der Vollkommenheit an sich tragen.
Freilich wird Chatel diesen Particularismus nicht weiter in Schutz nehmen, ja eir würde sich vertheidigen mit dem Hymnus à l Elernel(Katech. S. 33), worin der Wunsch ausgesprochen wird: Puissent tous les enfans se réunir un four à ton eglise frangaise. Indess auch hierin wird nur eine möglichste Ausdehnung für die
lokale Kirche gewünscht. Auch möchte für andere Nationen eine solche Vereinigung nicht sehr wünschenswerth erscheinen, wenn sie erfahren, wie es damit eigentlich gemeint ist. Frankreich soll gross und stark und frei und ruhmreich werden, soll siegen über alle seine Feinde, die Völker sollen die ungerechten Kriege aufhören, und Frankreich's Grenzen sollen fallen. Das Gebet für das Haupt des Staates schliesst mit den Worten:»Möge er durch deinen Schutz triumphiren über alle Feinde des französischen Namens.«—
Ein anderes Fest der französischen Kirche, welches zugleich wieder ein na- tionales ist, den Franzosen schmeicheln und somit sie anlocken soll, ist das Napo- leonsfest. Es möchten sich nicht viele Feste auffinden lassen, die so wenig kirch- lichen und überhaupt religiösen Charakter haben, als dies von der französischen Kirche gefeierte, und eine»Epistel« wie die für dieses Fest bestimmte, sucht vergeblich ihres Gleichen. Sie lautet(Eucol. S. 219): Meine Brüder, feiern wir den Jahrestag des grössesten Mannes vielleicht, der jemals aus den Händen des Schöpfers hervor- gegangen ist. Sein Ruhm strahlt in der Glorie, welche derjenige giebt, der die Quelle alles Ruhmes und aller Tugenden ist. Toulon! Lodi! Arcole! Montebello! Pyrami- den! Marengo! Ulm! Austerlitz! Eylau! Friedland! Esslingen! Wagram! Jedes die- ser tönenden Worte bildet einen Hauptstrahl seiner glänzenden Glorie und ruft in unseren französischen Herzen die Erinnerung an einen Sieg hervor. Einige verdun- kelte Strahlen zeigen allerdings die Worte: Invasion und Waterloo! aber trotz des Trauerflors, der sie bedeckt, strahlen doch Fleurüs und Montmirail Ruhm genug, um den Ruhm aller Feinde zu verdunkeln, die sich vereinigten, um den grossen Mann zu stürzen, und die so viel schmähliche Mittel anwendeten, um dieses wunderbare
rend die bunte Menge, deren Einige beten, Andere auf die Musik hören, wieder Andere mit den jungen Spanierinnen liebäugeln, plaudernd durch das geräumige Gebäude hin und herläuft, ala wure es eine öffentliche Promenade.(NMagazin für die Literatur des Auslandes 1838, 135.) 3


