Aufsatz 
Über die Kirche des Chatel / [Rudolf Karl Albert] Holzapfel
Entstehung
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Wesen niederzuschmettern, dessen Fuss so oft mit ihren Kronen spielte; der, wenn er immer nur Franzosen angeführt hätte, die Welt unterworfen und das Glück der Völker gesichert haben würde. In diesem erhabenen Gedanken gefiel sich seine Seele, sein Geist und männlicher Muth hätten ihn verwirklicht, wenn der abscheuliche Verrath derer, die ihm am theuersten waren, den grossen, den unsterblichen Napo- leon in seiner gewaltigen Bahn nicht gehemmt hätte. Er war Mensch; als solcher beging er Fehler, und diese Fehler waren gross; aber setzen wir ihnen seinen Geist, den Code civil, den Hafen von Cherbourg, den Hafen von Antwerpen, die wunder- vollen Strassen über den Mont Cenis, über den Simplon, Frankreich so gross und ruhmreich, als er es zum Siege führte, entgegen und glauben wir, dass wenn seine grossen Thaten und seine Fehler in der unsterblichen Waage gewogen werden, die Seele des grossen Napoleon im Schoosse Gottes das Glück geniessen muss, welches die Tugend in dem himmlischen Leben belohnt.« In der am Napoleonsfeste, am 5. Mai 1837 gehaltenen Predigt soll*) Chatel gesagt haben, dasjenige, was den gro- ssen Napoleon so gross gemacht, sei der Glaube gewesen, freilich nicht der ge-

wöhnliche Glaube der Masse, sondern was die einfache Basis des Christenthums sei.

Die französische Kirche habe ausgeführt, was Napoleon gewollt. Na- poleon sei übrigens presque dioin.

Die Krone seiner Feste bildet aber das Fest, dem unter allen positiven Re- ligionen schwerlich ein gleiches an die Seite gestellt werden kann. Herr Chatel hat ja eine französische Kirche gegründet; Herr Chatel weiss ja, dass die Fran- zosen den Ruhm haben, alle anderen Völker an Galanterie zu überragen; Herr Cha- tel hat es erlebt, dass von Frankreich aus der allgemeine Schrei nach Emancipation des Weibes gegangen ist. Herr Chatel hat daher, um zu beweisen, dass er sein Volk und seine Zeit verstanden, in seiner Kirche auch ein Frauenfest eingeführt. In der messe pour les femmes céelobres zählt er alle schönen und herrlichen Seiten des Weibes auf, Pchauptet, dass die falsche Stellung des Weibes in der bürgerlichen Gesellschaft der Grund des unsittlichen Lebens desselben sei, und erinnert daran, ihre Tugenden seien ihr Eigenthum, ihre Laster aber rühren von den Männern her. In einer Predigt über die Bestimmung des Weibes will Chatel auseinandersetzen, dass das Weib als die prooidence de Tenfance, de Tdge mür el de la oieillesse anzusehen sei. Die ganze Predigt ergeht sich in Lobeserhebungen, die er dem weib- lichen Thun in der Familie spendet, über die eigentliche oocation de la Femme er- fährt man aber doch nichts Gescheidtes. Am Schlusse der Rede geräth er in Ekstase und liefert mehrere historische Beispiele, dass Männer zur Standhaftigkeit und zu edlen Thaten durch Frauen begeistert seien.»Wer,« ruft er in heiliger Begeisterung aus,»erstaunte zur Zeit Carl VII, selbst den tapferen Dunois und entriss den Eng- ländern Frankreich? eine niedrige Schäferin von Vaucouleurs. Wer errettete, als die Soldaten nnaufhaltsam flohen, die Stadt Beauvais vor dem Joche der Burgunder?

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*) Theod. Mundt Weltfahrten.