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heit besiegelten: wie ferner Luther und Calvin zwar glücklicher in der»Verbreitung der Reform« gewesen, wie sie indess, noch beherrscht von den groben Vorurtheilen jener fast barbarischen Zeiten, an die Stelle der von ihnen bekämpften Irrthümer nur andre Irrthümer setzten*) und in ihren Handlungen sich eben so blutgierig zeig- ten als ihre Gegner; nachdem er diese tiefen und schönen Sachen gesagt, fährt er fort:»In unseren Tagen ist eine Reform erschienen. Kommt sie zu hören, ihr Chri- sten aller Gemeinschaften, euch zu überzeugen oder sie zu bekämpfen. Denn sie sucht das wahre Licht, wie sie es empfängt und austheilt. Höret, wie sie die Lehre befreit von allem Dunkel, womit die Bösen und die Betrüger sie bedeckten. Kommt ohne Furcht, denn nach Christi, unsers Bruders und Gesetzgebers Grundsätzen, sind Ueberzeugung, Sanftmuth und Liebe die Waffen, mit denen die französische Kirche und diejenigen, welche schon auf dem schönen Pfade derselben wandeln, unaufhör- lich die Hydra bekämpfen, die seit zwölf Jahrhunderten sich mit dem Blute und den Thränen der Völker weidet.« So ist das Pfingstfest eigentlich das Chatelfest, und unterscheidet sich nicht sonderlich von dem Weihnachtsfeste, das auch nur so eine Art Chatelfest war.— Bemerkenswerth ist noch die Art und Weise, wie Chatel den Bericht der Apostelgeschichte über Ausgiessung des heiligen Geistes sich zurecht legt. Er sagt:»Der Geist Jesu, diese unsterbliche Flamme, die sein Wesen beseelte und ihm seine göttliche Moral einflösste, dieser glühende Geist der Liebe, malte sich der Einbildungskraft der Jünger in Flammenzügen, schwebte über diesen geweihten Männern und entzündete ihre Herzen mit dem Verlangen, dem hohen Beispiele ihres geliebten Meisters zu folgen.«(Eucol. 119- 130.)
Ausser diesen grossen christlichen Festen hat Chatel noch einige andere in seiner Kirche eingeführt. Das bedeutendste davon ist das Vaterlandsfest. Chatel trat unter Franzosen auf, und so wollte er zunächst auch nur für Franzosen ein Hei-
land sein. Er möchte zwar wohl welthistorische Bedeutung gewinnen, indess mit Frank-
reich muss angefangen werden. Da er nun weiss, dass es in unserer Zeit, wo trotz aller religiösen Indifferenz dennoch mehrere sociale und religiöse Reformatoren in Paris aufgetreten sind, wo neue Systeme aufzustellen eine Sache der Concurrenz wird, dass es jetzt schwer hält, durch das blosse Gewicht der Wahrheit eine zum glück- lichen Fortbestehen hinreichende Anzahl Anhänger sich zu verschaffen**); so sucht
*) Im Discours sur l'excellence de la loi nuturelle sagt Chatel, dass die Reform Luther's, Zwingli's, Calvin's für ihre Zeit mochte hinreichend sein. Die Philosophie des 18. Jahrhunderts habe aber ihre mysteriösen Dogmen geprüft, diese Prüfung haben ihre„irrationalen“ Glaubenssätze nicht bestehen können; aufgeklärte protestantische Geistliche sähen das ein, liessen daher in ihren Pre- digten das Dogma unberührt und hielten sich nur an die Moral. Daher habe der Protestantismus sein Ansehn und seinen Einfluss eingebüsst, daher religiöser Indifferentismus.— Reuchlin(Das Christenthum in Frankreich, S. 311) erzühlt, Chatel habe am Todestage Luther's 1836 eine Feier
zu seinem Gedächtniss veranstaltet.
**) Der Graf St. Simon gerieth in so grosse Dürktigkeit, dass er sich das Leben zu nehmen ver- suchte..


