Aufsatz 
Über die Kirche des Chatel / [Rudolf Karl Albert] Holzapfel
Entstehung
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Cmulit ms.

Zunächst mögen hier Chatel's eigne Ansichten vom Cultus, wie er sie im Code de lhumanilé, Cap. 6, ausspricht, eine Stelle finden:

»Der Cultus ist die Manifestation der Religion, oder der Cultus ist der äu- ssere materielle Akt, durch welchen man seine Pflicht gegen Gott, gegen die bürger- liche Gesellschaft oder gegen sich selbst erfüllt. Der Cultus ist daher, je nachdem sein Gegenstand Gott oder Geschöpf ist, Latrie, Gottesverehrung(Aarõeda), oder Dulie(dονtœ,), womit sonst in der katholischen Kirche bekanntlich die Heiligen- verehrung bezeichnet wird. Die Latrie ist ein Anbetungscultus, ist absolute Unter- werfung unter ein Wesen, dem Anbetung gebührt. Die Dalie ist eine Ebre, eine Hul- digung, ein Andenken, welches der Tugend, dem Verdienste, dem Talente, dem Genie, dem Wissen des Menschen gewidmet wird. Wenn ich Gott anbete, so annihilire

ich mich ihm gegenüber, ich bekenne, dass meine Kraft nichts ist ohne die seine,

meine Gerechtigkeit, meine Vernunkt nichts ohne die seine.«

Nachdem Chatel nun das Gebet gegen etwaige Angriffe dadurch vertheidigt, dass er sagt, es werde durch das Gebet Gott nicht etwa als wankelmüithig, veränder-

lich und durch unsere Bitten bestimmbar vorausgesetzt, sondern das Gebet sei eigent- lich nur für den Menschen da zu seiner eignen Kräftigung, so sucht er die Noth- wendigkeit eines äusseren Cultus besonders allen denjenigen gegenüber darzuthun, welche sich mit einer rein inneren Gottesverehrung begnügen zu können meinen. Er entschuldigt aber auch zugleich, wenn die Denkenden bis jetzt vom Cultus sich meist fern gehalten. Denn der bisherige Cultus sei der Vater und Begünstiger des Aberglaubens, des Fanatismus und der meisten Uebel der Welt. Der müsse deshalb auch von Grund aus zerstört werden. Aber offen und ungescheut solle man Gott in Demuth anbeten, in Gemeinschaft mit den Uebrigen und zum Vorbilde der Uebri- gen, dass die wabrhafte Anbetung der Einen eine Erbauung für die Anderen sei. Bei dieser Gelegenheit erhalten wir auch eine oratio dominica von Chatel, die seiner würdig ist. Er sagt:»Wenn ihr betet, sollt ihr also beten: Gotft der Natur, sieb, dass ich stark sei durch deine Stärke, gross durch deine Grösse, gerecht durch deine Gerechtigkeit, gut durch deine Güte, barmherzig durch deine Barmherzigkeit.« Zu so grosser Verflachung kam Chatel nicht sogleich. Die im Katechismus verzcich- nete oraison dominicale ist zwar auch nicht mehr das unverfälschte Vaterunser, in- dess stimmt es mit diesem Gebete doch noch grösstentheils überein. Die Haupt- veränderung ist nur mit dem Eingange vorgenommen. Er lautet:»Allmächtiger und ewiger Gott, Vater aller Menschen, dein Reich erstrecke sich über das sichtbare und unsichtbare Universum, deine Barmherzigkeit ist unendlich; dein Name werde gehei- ligt« u. s. w. Das Eucologe liefert wieder eine andere Redaction des Gebetes, schon 2*