Aufsatz 
Über die Kirche des Chatel / [Rudolf Karl Albert] Holzapfel
Entstehung
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gehorchte, und die Leidenschaften, die über ihn Herrschaft zu gewinnen suchten, besiegen wollte, entzog er sich den Lobeserhebungen und blieb vierzig Tage in der Einsamkeit, um sich zu sammeln, seine Scele zu prüfen, um fern von der Welt über den hohen Beruf, zu dem er sich bestimmt fühlte, nachzudenken, und besonders, weil er sich dem ihm vom Volke gespendeten Lobe entziehen wollte. Denn das Volk rief, sobald er erschien: Ehre und Ruhm! Sobald nun sein menschlicher Hoch- muth diesen Hunger nach Ruhm, diesen unlöschbaren Durst nach der Bewunderung, die ihm seine Brüder zollten, ihm fühlbar werden liess, so stiess er die Versuchung von sich, indem er den Herrn anrief, und dem Impuls seiner inneren Stimme folgte, die durch göttliche Güte unaufhörlich in dem Herzen der Gerechten ertönt, welche fest dem Pfade der Tugend folgen wollen. Nach diesem Gott so angenehmen Fasten fuhr Jesus fort, die Schlingen zu vermeiden, welche ihm seine Leidenschaften legten, und statt sich von der Zinne des Tempels herabzustürzen, d. h. von der ho- 3. hen Achtung, die er sich bei den Menschen durch seine Tugend errungen, wusste Wer sich in edler und beständiger Einfalt zu erhalten, und wenn sein bisweilen wieder 1 erwachender Hochmuth ihm sagte:Du kannst allen deinen Wünschen nachgehen; du hast keinen Fall zu fürchten; deine Tugenden sind gross; sie werden dich halten, dass dein Fuss nicht an einen Stein stosse; d. h. deine Weisheit wird deine Ver- nunft und deine Reinheit hindern, an der Klippe des Lasters zu zerschellen; dann antwortete diese von dem angeflehten Gott geleitete Vernunft:du sollst den Herrn nicht versuchen, d. h. du sollst in deinem weltlichen Hochmuth nicht suchen über die moralischen Kräfte deiner schwachen Natur hinauszugehen, und statt der Gefahr zu trotzen, sollst du sie meiden. Als einst Jesus von einem hohen Berge aus die Gegend überschaute, die sich seinen Blicken darbot, erwachte die Ehrsucht in ihm. Mit schmeichlerischem Tone flüsterte sie ihm zu:Du könntest ja, statt die Mensch- heit aufzuklären, wie deine innere Stimme dir gebietet, sie täuschen, du könntest durch Betrug alle Königreiche der Welt beherrschen und dich an dem damit ver- bundenen Ruhme weiden. Indem dieser Gedanke in ihm Raum gewann, erhob auch der Ehrsucht Bruder, der Betrug, sein stolzes Haupt und rief ihm zu:Ich will dir dieses Alles geben, so du vor mir niederfällst und mich anbetest. Aber Jesu Tu- gend ging siegreich aus diesem Kampfe hervor. Er rief aus:Weichet von mir, ihr bösen Gedanken, hinweg von mir, ihr Scepter und Kronen, Alles für Gott und die Wahrheit; und seine siegreiche Vernunft sprach:Der Herr mein Gott ist es, den will ich anbeten, dem will ich dienen.

In dem Eucologe finden sich nun ausser solchen Evangelien auch noch Episteln, in denen aber Chatel ganz und gar keine Rücksicht mehr auf die Bibel nimmt, so dass der AusdruckEpistel durchaus unpassend ist, und Chatel grossen Unverstand beweist, wenn er seine oft schaalen Reflevionen mit einem Worte be- zeichnet, das eine so ganz andre, abgeschlossene Bedeutung hat, und wenn er es für