Aufsatz 
Über die Kirche des Chatel / [Rudolf Karl Albert] Holzapfel
Entstehung
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Dass man indess nicht, wie in der ersten Revolution, mit der Religion ganz brechen werde, war leicht einzusehen. Konnte jetzt an der Stelle des Alten etwas Neues gegeben werden, so hatte es auf den besten Erfolg zu hoffen, wofern es über- haupt dem französischen Charakter angemessen war. Chatel glaubte sich berufen, die seiner Zeit gestellte Aufgabe zu lösen, und so entstand das eigenthümliche Ge- mengsel heterogener Elemente, welches er als französisch-katholische Kirche dem Publikum darbietet.

Dass Chatel bei denkenden Männern nicht viel Anklang finden konnte, wird bei Betrachtung seiner sogenannten Reform bald begreiflich. Auffallend muss es auch erscheinen, wenn ein protestantischer Geistlicher eine eigne Schrift(Nolice sur labbé Chatel et sur sa réforme) zu Gunsten Chatel's erscheinen lassen konnte. Im niederen Volke aber wusste er bald einen gewissen Anhang zu gewinnen und deuselben in dem Grade zu stärken, als er im Stande war, die Erhaltung seiner Kirche zu einer Partheisache für die Ultraliberalen zu machen.

Die Biographie(vom Jahre 1837) giebt folgende Ortschaften Frankreich's an, in denen die französisch-katholische Kirche gegründet sei: Paris, Nantes, Lannecor- bin, Sinzos u. Lhés(Hautes-Pyrénées), Roches-sur-Rognon u. Bettaincourt(Hlaute- Marne), Pouillé(Vendée) für 22 Gemeinden, Villefavard und Lastours bei Limoges. Die von Chatel gegründeten Kirchen von St. Prix und Ermont bei Montmorency, Clichy-la-Garenne bei Paris, Chatenay-Voltaire bei Sceaux, La Chapelle-Saint-- pulcre, Loirct, Senneville bei Nantes, Agy bei Baycux seien von ihren, der Reform untreu gewordenen Vorstehern verlassen, die Bewohner jener Gemeinden seien nichts destoweniger aber französisch-katholisch geblieben. Eine grosse Anzahl Einwohner von Chaumont(Haute-Marne), Epernay, Haudan(Eure), Gournay-en-Bray(Seine- Inférieure), Rennes und Rouen habe die Reform angenommen und verlange Seel- sorger. Das klingt allerdings nicht unbedeutend. Doch ist darauf nicht zu viel zu geben. Ein Mann wie Chatel und seine Anhänger ncehmen oft den Mund etwas voll, auch wissen sie als Franzosen, dass Kriegsbülletins es nicht sowohl auf die Wahrheit absehen, als vielmehr darauf, einen günstigen Eindruck zu machen, wes- halb sie auch fast nur Siege berichten, und selbst die Verluste in einem freundlichen Lichte darstellen. Daher ist es denn auch nicht zu verwundern, wenn in den Zei- tungen unter den Anzeigen oft pomphafte Ankündigungen von der zahlreichen Theil- nahme an dem neuen Cultus erscheinen. So wird z. B. im Constitutionnel v. 18. April 1838 bekannt gemacht, dass am Ostersonntage 3000 Personen in der französischen Kirche des Abbé Chatel das heil. Abendmahl empfangen haben. Schon die runde Summe spricht dafür, dass die Zahl übertrieben ist.

Die römische Kirche musste Chatel natürlich als einen Abtrünnigen an- sehen. Schon im Jahre 1831 erliess der Papst eine Art Bannfluch gegen ihn. In- dess hat er bis jetzt vergeblich auf eine wirkliche Excommunication gehofft. Sie

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