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In dieser amtlichen Stellung wagte er es, gegen das Ende der Regierung Karl X., der Opposition sich anzuschliessen, verkündete in mehreren Kirchen von Paris(seine Biographen zählen deren zehn auf, darunter die nachher zerstörte Saint- Germain-l'Auxerrois die bedeutendste) Glaubensfreiheit, und suchte seine liberalen Ansichten und Neuerungspläne durch die Zeitschrift le Reformaleur zu verbreiten. Allzu kühn werden indess seine Angriffe nicht gewesen sein, denn er verblieb un- gefährdet in seiner amtlichen Stellung.
Als aber durch die Juli-Revolution die königliche Garde aufgelöst worden, und Chatel seine Stelle als Feldprediger verloren hatte, so blieb Niemand mehr für ihn zu schonen. Jetzt, glaubte er, sei der geeignete Zeitpunkt gekommen, den Plan einer kirchlichen Reform in's Werk zu setzen; und kaum waren die Julitage vorüber, als er sein Unternehmen begann.
Er eröffnete zunächst in seiner dem Pantheon nahe gelegenen Wohnung ei- nen Betsaal, verkündete in Lehre und Verfassung der Kirche eine Reform, und liess durch Anschläge an den Strassenecken zum Beitritt einladen. Es war etwas Neues. Neue Namen, auch wohl neue Formen. Die Kirche wurde als eine selbstständige, als die æglise catholique frangçaise ausgegeben, ihr Gründer machte sich zum&οένᷣ‿ςyue primat derselben, und glaubte diesem Titel noch mehr Bedeutung zu geben, wenn er später schrieb: eue primat par élection du peuple et du clergé.
In jener neuerungssüchtigen Zeit fanden sich bald so viel Anhänger, dass schon im Januar des folgenden Jahres Chatel sich genöthigt sah, zu seinem Tempel ein geräumigeres Local zu nehmen. Er miethete dasselbe in einem der bedeutenderen Stadttheile, indess musste er wegen steigender Zunahme seiner Anhänger in kurzer Zeit noch zwei Mal mit seinem Gotteshause wechseln, bis er es endlich in jener, besonders durch den Verkehr des gewerbtreibenden Standes und des niederen Volkes belebten Gegend der Stadt, in der rue du FLaubourg Sl. Marlin fest begründete.
Für Chatel's Auftreten war die Juli-Revolution allerdings der günstigste Zeitpunkt. Während der Restauration hatte der römisch-katholische Clerus an die regierende Dynastie so eng sich angeschlossen, und suchte die von derselben ver- tretenen Principien so nachdrücklich zu verfechten, dass die gegen die Bourbons ge- richtete allgemeine Abneigung zugleich auf den Clerus übertragen wurde. Und da bei dem dermaligen religiösen Bildungszustande der Franzosen ein scharfes Ausein- anderhalten der Begriffe Priesterthum und Kirche, Kirchensatzung und Dogma, Ka- tholicismus und Religion eben nicht gewöhnlich ist, so dehnte sich die bisherige Ab- neigung gegen die Priester bald auf den ganzen römischen Katholicismus aus. Da die römische Kirche aber von der legitimen Dynastie sehr begünstigt worden, so war es andrerseits natürlich, wenn sich ibre Priesterschaft nach der Julirevolution gegen die neue Ordnung der Dinge entschieden aussprach.


