Aufsatz 
Festreden und Gedichte zur Erinnerung an das Jahr 1840 / E. F. August
Entstehung
Einzelbild herunterladen

26

entflammt. Schon bald nach seiner Thronbesteigung, als er erkannte, wie die vor ihm sorgloser geführten Zügel der Regierung mit Friedrichs des Grossen Geiste leben- diger ergriffen und alle Kräfte des Staates in regere Thätigkeit versetzt werden müss- ten, verbesserte er vorzüglich die Schulen und gründete neue. Als die verhäng- nissvollen Jahre 1806 und 1807 das Vaterland gebeugt, der Tilsiter Frieden den Umfang und die Kräfte des Staates so bedeutend vermindert hatten, dass die Feinde den baldigen Untergang desselben vorauszusehn glaubten, erkannte sein gerader und einfacher Sinn in der Bildung des Volkes das vorzüglichste Rettungsmittel.»Zwar »ist der Staat,« so sprach er damals,»an äusserer Macht und äusserem Glanze gesun- „ken; aber wir müssen dafür sorgen, dass wir an innerer Macht und innerem Glanze »gewinnen. Und deshalb ist es mein ernstlicher Wille, dass dem Volksunterrichte „die grösste Aufmerksamkeit gewidmet werde, denn der Einfluss der Volksschulen »auf die Wohlfahrt des Staats ist von der grössten Wichtigkeit, weil sie den Men- „»schen und den Bürger bilden.«— Diesem Grundsatze plieb er bis an sein Ende treu. Wieviel geschah in den Jahren des äusseren Drucks von 1807 bis 1811 für geistigen Aufschwung. Welche Opfer wurden der Gründung einer Universität in Berlin gebracht, nachdem Halle uns auf immer entrissen schien. Wieviel geschah für die Erweiterung der Universität Breslau! Wie war es später, als Preussens Heil- stern wieder erglänzte und neue Provinzen neben den früher besessenen dem Lande zufielen, die eifrigste Sorge des Königs Geistesbildung im ganzen Umfange zu verbreiten! Schon im dritten Jahre der Erwerbung der Rheinprovinzen erblühte dort die Universität Bonn nnd mehrten sich dort wie in allen übrigen Provinzen des Reichs die Gymnasien und Schulen jeder Gattung. So hob Friedrich Wil- helm III. die Volksbildung, durch unausgesetzte Förderung zu einem Grade, der die Nacheiferung und Bewunderung grösserer Staaten Europa's erweckte. Franzosen und Engländer, denen es darum zu thun war, sichere Grundlagen für die Einrichtung ihrer Unterrichtsanstalteu zu gewinnen, durchreisten unser Vaterland und nahmen die Schulen desselben zum Muster für ihre Vorschläge und Pläne. Aus Amerika sahen wir selbst hier in unsern Mauern Abgesandte, um von der Einrichtung unsrer Schulen Kenntniss zu nehmen und alle erkennen den Preussen in dieser Beziehung vor allen andern Staaten den Vorrang zu.— Wir aber sind eingedenk, wem wir diesen Vorrang zu danken haben, und wollen in seinem Sinne ihn zu behaupten bemüht sein.

Denn nicht bloss den Glanz der Wissenschaft nnd der Kunst nicht bloss die geselligen Vortheile, welche höhere Durchbildung des Geistes verschafft, berück- sichtigte Friedrich Wilhelm III. Ihm war es um jene vollendete geistige Erhebung zu thun, die den Menschen in dieser vergänglichen Welt für die höhere ewige vor- bereitet. Friedrich Wilhelm III. war ein frommer Fürst, der den gebildeten Geist als das lautere Gefäss des reinen Glaubens betrachtete und der fanatischen Schwär-