Aufsatz 
Festreden und Gedichte zur Erinnerung an das Jahr 1840 / E. F. August
Entstehung
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Ja, meine Theuren, Friedrich Wilhelm der Dritte wird in unsern Gemüthern fortle- ben; je mehr wir uns seine erhabenen Tugenden, die ihn als Herrscher, als Christen, als Menschen auszeichneten, vor die Seele führen, je tiefer wir erwägen, was wir seiner Einsicht und seinem Eifer verdanken.

Es kann nicht der Erfolg dieser flüchtigen Worte sein, ein vollständiges Bild eines so ausgezeichneten Monarchen zu entwerfen, ja selbst die Umrisse würden nur man- gelhaft werden, weil das Gemüth dessen, der sie auch auszuführen vermöchte, von dem frischen Schmerze noch zu sehr bewegt wäre. Daher kann hier nur geschehen, was bei so unerwarteten, so tief ergreifenden Ereignissen überall zu geschehen pflegt. Die zunächst in der Seele des Schmerzerfüllten hervortretenden Erinnerun- gen drängen sich vor und bilden die trauervolle und zugleich trostreiche Unterhal- tung derjenigen, die den Tod eines theuren Angehörigen beweinen. So sei es auch unter uns in dieser Stunde, die wir dem Andenken des unvergesslichen Fürsten geweiht haben.

Wenn Tapferkeit, Gerechtigkeit, Weisheit und Frömmigkeit als die Grund- tugenden des Mannes gepriesen werden müssen, die von jedem Edlen erstrebt wer- den, deren Ausübung den Fürsten zum Beglücker scines Volkes erhebt und ihm den Dank der Mitwelt und Nachwelt sichert, so hat Friedrich Wilhelm den höchsten Anspruch auf diesen Dank. Die Geschichte der merkwürdigen Zeit, in welcher er unter den ersten Lenkern curopäischer Geschicke wirkte, bietet unzählige Beweise dar, dass er der wohlerwogenen Gefahr kühn ins Auge zu blicken ver- mochte, dass er die Rechte jedes Menschen, selbst des undankbaren Feindes ehrte, dass er mit tiefster Einsicht für die Beglückung der Menschheit thätig war und au- genblickliche Vortheile gern aufopferte, wenn ein bleibendes Gut, ob auch mühsamer und nach längerem Ringen und Harren, erworben werden sollte,— dass er tief durchdrungen war von dem Geiste der christlichen Demuth und Liebe und gewis- senhaft bemüht, seine Handlungen nicht ploss vor dem Richterstuhl menschlicher Vernunft, sondern auch vor dem der Gottheit gerechtferliget zu sehen, dessen Ent- scheidung die Stimme des Gewissens offenbart. Wäre sein Geist nicht fortdauernd von diesen erhabenen Tugenden beseelt gewesen.— Wie hätte in der Zeit, wo alle Thronen Europa's schwankten und die meisten Völker ihren Fürsten entfremdet wurden, der seinige, nicht minder stark erschüttert, so felsenfest stehen und das Band zwischen ihm und dem Volke sich um so inniger schlingen können, je grösser die Gefahr war? Wie hatte der preussische Staat so still und sicher der höheren Stufe allseitiger Entwickelung entgegen geführt werden können, auf der wir ihn jetzt erblicken? Sind nicht durch Friedrich Wilhelm den Dritten alle edlere Keime welche die Sonne der neuern Zeit nach gewaltiger Gährung dem geistigen Boden entlockte, sorgfältig gepflegt worden, während er mit strenger Gewissenhafligkeit alles Ungedeihliche abwehrte und zurückdrängte?