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mit dem Ausgange des vorigen Monats eine bedeutende Abnahme der Lebenskräfte erlitten hatte. Wenn auch die Grösse der Gefahr nicht vollständig geahnt wurde, zog sich doch der Gedanke an dieselbe durch alle Gemüther und schwebte, wie eine trübe Wolke an dem heitern Festhimmel jenes Tages. Bald, nur zu bald trat der bange gefürchtete Moment ein. Preussen verlor seinen erhabenen Herrscher, dessen Scepter es fast 43 Jahre beglückt hatte, am siebenten Juli Nachmittags in der vierten Stunde.
Die näheren Umstände der Krankheit und des Todes sind allen be- kannt. Wer hätte nicht mit der innigsten Theilnahme die besorglichen Berichte über das Befinden des geliebten Königs gelesen: wer nicht tief erschüttert die Kunde von dem ruhigen Ende seiner lelzten Erdenleiden vernommen? Wem schwebt nicht in bleibender Erinnerung vor der Seele das Bild des frommen Fürsten, der umringt von allen Mitgliedern seiner erhabenen Familie, Abschied nimmt von dem Wirken hinieden, das er mit so schönen Thaten geziert hat, die eine Hand dem theuren Sohne, dem erhabenen Fortführer seines Wirkens, die andere der fürstlichen Gemahlin, der treuen Pflegerin seines Alters, darreichend; während der Blick des sterbenden Auges schon jener Welt zugekehrt ist, der seine Seele entgegenschwebt. Schön und erhebend bezeichnet uns dieser letzte tief erschütternde Moment des königlichen Lebens das Grundwesen seiner Seele. Wohlwollende Sorge für den Staat, Gemüthlicher Sinn für häusliches Glück, fromme Erhebung zu Gott. Welch' ein Künstler vermöchte sinniger und rührender diese schönen Eigenschaften der königlichen Seele darzustellen, als sie uns in diesem einfachen wahren Bilde des sterbenden Fürsten entgegentreten. O wie sehr passen auf ihn die Worte des herr- lichen Liedes mit dem wir die heutige Zusammenkunft begonnen haben. Denn für- wahr fröhlich sterben konnte er nach einem wohlvollbrachten Lauf.—
Wir aber fühlen tief die Wunde, welche der für jede Erwartung doch immer zu früh eingetretene Tod des geliebten Herrschers dem Vaterlande geschlagen hat und theilen in Wehmuth die allgemeine Trauer desselben. Dass er nicht mehr über uns waltet der mit vollstem Rechte als Landesvater verehrt wurde, der mit fester Kraft den Staat leitete, das Recht schützte, die Wissenschaft förderte, und dadurch, dass er in allem, was er Grosses und Ruhmvolles vollbrachte, seine eigene Persönlichkeit mit ächt christlicher Demuth zurückstellte, sich eben um so deutlicher als das Werkzeug in der Hand des Höchsten offenbarte, der durch ihn unser Vaterland beglückte,— dass wir ihn, den Trefflichen, nicht mehr erblicken, erfüllt unsre Brust mit tiefem Schmerze. Aber das ist das Erhebende, was von dem Tode des Gerechten ausgeht, dass je höher der Schmerz gesteigert wird, desto reichlicher auch der Trost uns zufliesst, dass jemehr man sich die Tugenden und die Thaten des Entschlafenen vor die Seele ruft, desto inniger auch jene Vereinigung mit seinem Geiste geschlos- sen wird, die über Raum und Zeit erhaben, durch kein Grab getrennt werden kann.


