Den schwer gebeugten, erst später sich ermannenden Feldherrn finden wir an dem Unglückstage bei Kunersdorf. Hier will er, nicht zufrieden mit dem Siege, nur nach vollkommener Vernichtung die Wahlstatt verlassen. Die kam- pfesmüden Truppen erliegen der Anstrengung, die Reihen werden gelichtet und die Niederlage ist unabwendbar. Jeder sah sie voraus und suchte in der Schlacht den Tod, die preisend, welche das Vaterlands Unglück nicht überlebend im Kampfe ein ruhmwürdiges Ende gefunden hatten. So war noch nie um den Tod gleichsam ge- kämpft worden. Unter denen, die mit dem Vaterlande zugleich untergehen wollten, befand sich der König Wider seinen Willen musste man ihn der Schlacht ent- reissen, ihn retten, damit nicht Alles verloren gehe; in seinem unerschöpflichen Geiste, so sagte man sich, lägen die Hülksmittel, das Verlorne wieder zu gewinnen. So hoch war die Noth noch nicht gestiegen; Friedrich, der immer Rath fand, war rathlos; Hoffnung gab allein des Feindes Unthätigkeit und neues Vertrauen zeigte bald neue Wege. Wenige Tage nach der verbängnissvollen Schlacht, weisst er einen Edelmann, der über die Verwüstungen der Russen auf seinen Gütern klagte, mit den Worten zurück: Ich bin mehr darauf bedacht, dem Uebel abzuhelfen als zu klagen. Und er hat abgeholfen.
Gern begleitete ich noch weiter den König,»der mitten im Kriegsgetümmel alle Regierungsgeschäfte besorgt und seine Staaten wie im tiefen Frieden beherrscht, der in gefahrvollen Stunden die Flöte spielt, und gleich darauf die tief durchdach- testen Befehle ertheilt, der am Tage vor einer entscheidenden Schlacht Verse macht Gesetze entwirft und Rechnungen durchsieht;« aber wir müssen uns mit diesen wenigen Andeutungen begnügen; wir haben ihn, wo allein die Grösse des Menschen sichtbar wird, auf den Höhen seines Glücks und in den Abgründen seines Unglücks aufgesucht; in beiden hat er sich bewährt; Standhaftigkeit, Entschlossenheit, Tapfer- keit, Geistesgegenwart, unerschütterliche Festigkeit haben ihn nie verlassen; mit der Gefahr wuchs die Kraft.
Wo aber so Seltenes sich darbietet, kann dies etwas Vereinzeltes bleiben? Man möchte nicht zu viel sagen, wenn man behauptete, dass in Jedem, der mit Friedrich kämpfte, ein Abbild des Königs gewesen sei und Jeder, bald mehr, bald minder die hohen kriegerischen Eigenschaften, welche ihn auszeichneten, in sich auf- genommen habe. Denn das ist der Zauber wahrer Grösse; sie gewinnt nicht allein Gemüther, sie weckt auch zur Thatkraft. Tausend Züge der Feldberrn und gemei- nen Soldaten könnten angeführt werden, dass ein Wetteifer entstand zwischen den Befchlenden und den Géhorchenden, dass keiner dem nachstehen wollte, von dem be- fehligt zu werden, sein grösster Stolz war. Wir verlassen aber die Donner der Schlacht; Friedrich schied aus dem Kampfe ohne Gewinn und ohne Verlust mit der Achtung des gesammten Europa, am meisten seiner Gegner. Er hatte die Ehre gerettet und steckte das Schwerdt in die Scheide, um es nur für die Selbstständigkeit und Frei-
2


