Aufsatz 
Festreden und Gedichte zur Erinnerung an das Jahr 1840 / E. F. August
Entstehung
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ker war die feindliche Armee. Er kannte die Gefahr und ohne sich weitläufigen Ueberlegungen und Berechnungen hinzugeben und dem Drucke der Vorstellungen über das Verzweifelte seiner Lage zu unterliegen, fühlte er, dass es einen schnellen Entschluss gelte, dass zu grosse Vorsichtigkeit schon nicht mehr Klugheit sei. Seine Stimmung war eine unwiderruflich männliche Weihe zum Siege oder Tode. Er theilte seinen Soldaten Plan und Gefahr mit, Jedem gestattend die Reihen zu ver- lassen. Niemand verliess sie; Begeisterung ergriff vielmehr alle, als sie den König zum Acussersten entschlossen wahrnahmen. Man sah die Krieger, die schon manchen heissen Kampf gefochten hatten, sich einander die Hände reichen, einander Treue und Beistand versprechen, man sah sie ihren Muth den jüngern unerfahrnern Kampf- genossen mittheilen. Ueberall war nun der glückliche Vorbote eines Sieges, jenes innere Gefühl von Festigkeit und Zuversicht zu erkennen. Doch auch so war noch ein Wunder nöthig; es fehlte nicht zum Erfolge; es lag nicht allein in der geschick- ten Anordnung zur Schlacht, nicht allein in der Tapferkeit jedes Einzelnen, es lag in der Einheit des Willens des Feldherrn und der Soldaten. Hier war es, wo Friedrich wunderbar zur Andacht gestimmt wurde. Als das Unglaubliche geschehen, Alle von dem Gefühle eines hohen göttlichen Waltens durchdrungen und Viele aus Ermattung in dem Dunkel des kalten Decemberabends sich auf den harten Boden ge- lagert hatten erhob mit lauter Stimme ein Soldat aus scinem Fahnenzuge mit- ten aus der Stille des weiten Schlacht- und Todtenfeldes aus tief bewegter Brust den Gesang: Nun danket alle Gott. Bald fiel die Feldmusik ein, bald die ganze Armee. Mit wärmerem Gefühle des Dankes war das schöne Lied noch nicht er- klungen. Friedrich war mit seinen Soldaten in Andacht versunken, und als ob ihm Stärkung aus dem Gesange gekommen wäre, brach er in der Nacht zu neuen Thaten auf.

In grellem Widerspruch mit dem bedächtig erwägenden Feldherrn steht der kecke, den Feind nicht achtende bei Hochkirchen, wo er, als Sieger von Zorndorf, dem umsichtigen Daun sich so unvorsichlig gegenüberstellte, dass Nie- mand das Lager abzustecken wagte. Der Morgen des verhängnissvollen 14. Octbr. brachte dem Lande in dem berüchtigten Ueberfall unsägliche Verluste, dem Könige freudige Arbeit; überall sah man ihn im ärgsten Handgemenge und seine Fähigkei- ten im glänzendsten Lichte. Man wird versucht zu glauben, er habe diese Lage nur herbeigeführt, um zu zeigen, wie er schlafende Krieger zusammenraffen, sie einem stärkeren Feinde, der mit allen Vortheilen versehen sich mitten im Lager befindet, entgegenstellen, wie er alle vornehmsten Feldherrn verlieren und nun zuletzt sich ganz überlassen, durch die Kraft des eignen Geistes die zweckmässigsten Maassregeln ergreifen, das Chaos seines Heeres unter Niederlagen und Verlusten entwirren und nach hartem, ungeordnetem Kampfe mit grosser Ordnung sich zurückziehen, wie er geschlagen und doch nicht besiegt dem Feinde noch Furcht einflössen könne.