Aufsatz 
Festreden und Gedichte zur Erinnerung an das Jahr 1840 / E. F. August
Entstehung
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gungen ertragen. In ruhiger Sicherheit hatten die drei mächtigen Nachbarn Preus- sens sich in das kleine Land getheilt, als ob es eine unzweifelhafte Beute wäre. Friedrich entging nicht, was vorbereitet wurde; durch Verrath war ihm genauere Kenntniss geworden und gerüstet, wie er stets da stand, schnell entschlossen, durch raschen Angriff seinen Gegnern zuvorzukommen, erneuert er durch die Besetzung Sachsens den Krieg. Von allen Seiten drohten schwere Wolken Verderben. Der kalte Norden sandte seine Bewohner, einen wenn auch kleinen, doch wegen der Nähe der Hauptstadt, in der er wirkte, bedenklichen Haufen; aus den gros- sen Ebenen des östlichen Europa strömten in unabsehbaren Schaaren neben regel- mässig ausgebildeten Heeren Barbaren herbei, die seit Jahrtausenden in Sitte und Lebensweise unverändert an des Xerxes Heere erinnerten; aus dem Süden führte Maria Theresia ihre verschiedenen Völker auf den Kampfplatz, unter ihnen aus der Halbinsel des Balkan wenig gekannte Völker, deren Stamm- und Glaubensbrüder dem halben Monde folgten, Kroaten, Panduren, Hanaken, Tolpatschen und wie die wunderlichen Namen alle heissen; dazu vom Westen her zahlreiche französische Armeen, die noch an dem Kriegsruhme Ludwig XIV. zehrten; ihnen hatten sich deutsche Reichsvölker beigesellt. Es war, als ob die Menge allein das kleine König- reich zertreten könnte. Mit entschlossenem Muthe ging Friedrich dem ungleichen Kampfe entgegen, froh ein Feld für seine Thätigkeit gefunden zu haben. Er sollte seine Feuerprobe ablegen; er hat sich bewährt und alle die herbeigeeilt waren, seine Erniedrigung zu sehen, schienen gekommen zu sein, ihr Staunen über den wunder- bar grossen König in ihre Heimath zu tragen und den preussischen Namen in die fernsten Länder zu verbreiten. Wohin soll ich aber zunächst den Blick wenden in dem an Wechselfällen reichen Kampfe? Auf die Felder, die sein Sieg, oder die seine Niederlage berühmt gemacht hat, beide Felder des Ruhms?

Vor Prag finden wir den ungestüm, ja eigensinnig angreifenden Sieger. Unter ungünstigen Verhältnissen war gegen umsichtiger Feldherrn Rath die Schlacht begonnen worden, weil der König es so wollte; Tausende waren fruchtlos zu Boden gestreckt, als Schwerin die Entscheidung brachte und den Muthigen den Weg zeigte, den ihre Tapferkeit ihnen nicht geöfſnet hatte. Er starb die Fahne deckte ihn an der Spitze seines Regimentes den Tod des Helden in treuem Ge- horsam gegen seinen König, dessen Plan er nicht billigte, in williger Aufopferung für sein Vaterland, dem er stets ergeben war. Die blutige Saat hat schöne Früchte getragen; viele sind ihm im freudigen Tode für König und Vaterland gefolgt.

Wie besonnen tritt uns der König bei Leuthen entgegen, nachdem er durch einen leicht gewonnenen Sieg den Franzosen bewiesen, dass ein im eitlen Dünkel und nichtigen Brüsten auf früher erlangten Ruhm befangenes Volk des angebornen Namens nicht werth sei. In Eilmärschen führte er die kleine, siegreiche Armee nach Schlesien, das verloren und von grosser Uebermacht vertheidigt war; dreimal stär-