Aufsatz 
Festreden und Gedichte zur Erinnerung an das Jahr 1840 / E. F. August
Entstehung
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bewährte sich zugleich in der Ehrerbietung, mit der er dem schwer strafenden Va- ter anhing.

Wir betrachten den jugendlichen König und lernen ihn, wo er zuerst der Welt sich bekannt machte, auf dem Schlachtfelde kennen, dem Felde seines Ruhms. Von den Vorfahren ererbte, später aufgegebene, dann wieder erworbene Ansprüche auf einzelne schlesische Herzogthümer boten ihm eine erwünschte Gelegenbeit dar, die überkommenen Länder zu vergrössern und den Drang nach Thaten und Ruhm zu befriedigen. Die Umstände waren noch besonders günstig; Karl VI. starb in dem- selben Jahre und hinterliess seine schönen Länder seiner einzigen Tochter Maria Theresia, deren Nachfolge in der pragmatischen Sanction vergeblich theuer erkauft war. Die bei ihr gleichzeitig mit dem Einrücken eines Heeres erfolgten Forderun- gen wurden um so entschiedener zurückgewiesen, als sie erzwungen schienen; und in wenig Monaten war das nicht vertheidigte Land besetzt Eine glückliche Schlacht wurde das Zeichen zu allgemeinem Angriff und zu grossem Unheil, das sie wür- dig ertrug, ihren Völkern und dem ganzen Europa beweisend, wie verdient sie den väterlichen Thron einnehme. Friedrich durch günstige Erfolge ermuthigt und nach jedem Siege grösseres Vertrauen gewinnend, sah seine Anstrengungen im Breslauer Frieden durch Schlesiens Erwerbung belohnt.»Ich habe, schrieb er aus dem Lager nach dem Abschluss des Friedens, das gethan, was ich der Ehre meiner Nation schuldig zu sein glaubte, und jetzt indem ich Frieden schliesse was ihr Glück von mir fordert«, und anderswo»die Erhaltung des preussischen Blutes ist mir theurer, als der eitle Ruhm eine unglückliche Königin ganz unterdrückt und ein verheertes Land ganz zertreten zu haben. Ich kehre zum Frieden zurück, den nur die Ge- waltthätigkeit und der Uebermuth meiner Nachbarn soll unterbrechen können.« Nur zubald wurde er unterbrochen; Maria Theresia's grösseres Glück erregte nicht unbegründete Besorgniss für die kaum erworbene Provinz; um zu bewahren, was er durch die Walfen erworben hatte, trat er wieder unter die Waffen. Der neue Kampf war schwieriger; ein wohl entworfener, besser durchgeführter Plan musste durchkreuzt werden; desto grösser der Ruhm des Feldherrn, der bei vielen Fehlern der geringeren Erfahrung in diesem Kriege den Krieg erst kennen lernte. Den Dresd- ner Frieden, den der Sieger zu vieler Verwunderung ohne Gewinn abschloss, ver- dankte er der Tapferkeit seiner Soldaten und der Geschicklichkeit seiner Feldherrn mehr als sich selbst, wie er freudig bekennt.

Maria Th. war ergeben, aber tief im Herzen lag ein herber Schmerz über den Verlust Schlesiens, dessen Werth man erst nach dem Verlust zu empfinden schien. Wenn ein Schlesier, wie es nicht selten geschah, dass diese aus alter Anhänglichkeit an das angestammte Herrschergeschlecht es suchten, ihr vorgestellt wurde, sah man jederzeit ihr Auge sich mit Thränen füllen; sie gab das schöne Land nicht verloren. Anstrengungen, es wieder zu gewinnen, wurden viele gemacht, ja selbst Demüthi-