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ganze Euch gleichaltrige vaterländische Jugend verbreitet:— das wird über jene wichtige Frage entscheiden. Wie hoch und werth uns das Geschenk des geläuterten Glaubens ist, erkennt Ihr aus der würdigen ernsten Feier in dieser Stadt und in dem ganzen Lande. Die hohe Bedeutung desselben ruft in diesen Tagen Manches hervor, was denen, die sich ihrer Theilnahme an den Segnungen des lauteren Evangeliums bewusst sind, ein Zeichen dauern- der Erinnerung sein soll. Dahin gehören viele Werke der Wissenschaft und der Kunst. Ich habe bereits angedeutet, dass der hochgeehrte Vorstand dieser Stadt mit weiser Umsicht auch dafür gesorgt hat, unter Euch die Zeichen dieser Erinnerung zu verbreiten. Die Wahl der Lehrer und Schüler hat unter Eueh diejenigen bezeichnet, welche als würdige Stellvertre- ter ihrer Mitschüler jenes Geschenk der Stadt in Empfang nehmen sollen. Den Zöglingen der ersten Classen ist ausser der broncenen Denkmünze, welche auf der einen Seite das Bild- niss des Churfürsten Joachim II. und unsers hochverehrten Königs enthält, auf der andern das zu Spandau durch den Bischof Matthias von Jagow ertheilte erste Abendmahl in beiderlei Ge- stalt darstellt, noch die von dem Professor Adolph Müller bearbeitete Geschichte der Refor- mation in der Mark Brandenburg beigefügt⸗ Bewahrt, meine jungen Freunde, diese mit väter- licher Gesinnung Euch dargebotenen Geschenke wie Eure theuersten Kleinode und lasset Euch durch den Anblick der Denkmünze wie durch den Inhalt dieser trefflichen Schrift an Eure Bestimmung als evangelische Christen dauernd erinnern und zu einer Gott wohlgelälligen Gesinnung und einer dem Vaterlande nützlichen Thätigkeit anfeuern. Gelobet es Euch still in Euren Herzen und befestigt morgen im Hause des Herrn dieses Gelübde, dass Ihr überall durch Euer ganzes Leben dem Beispigle der erhabenen Männer folgend, deren wir heute so oft gedacht haben, das Wort Gottes und Euer Gewissen zur einzigen Richtschnur Euers Lebens machen und die freie Entwickelung der Wahrheit, die tiefe Auffassung des christlichen Glaubens überall zuerst an Euch selbst dann aber soyiel ihr vermögt, an anderen krältig fördern wollet. Gott, der Allmächtige, aber gebe zur Vollbringung dieses Gelübdes seinen gnadenreichen Segen.“
Nun folgte der Vortrag des folgenden Gedichts;
Dank der Schüler des Cölnischen Real-Gymnasiums nach
Empfang der zur Erinnerung an die dritte Säcularfeier der Reformation in der Mark Brandenburg vertheilten Medaillen,
den Städtischen Behörden dargebracht,
gedichtet vom Director Dr. August, gesprochen vom Primaner Nigkisch v. Rosenegk.
Vergönnt uns, die ihr dieses Festes Segen
Ob fern auch noch dem tiefen Ernst des Lebens, Durch bleibende Erinnrung uns verschönt
Umgaukelt noch von bunter Jugendlust,
Und bier, wie sonst, durch väterliches Pflegen, Wird unser Geist sich doch erhabnen Strebens Duech Lieb' und Huld dem Guten uns gewöhnt, Und höl'rer Regung klarer stets bewusst. 51 Dass wir zum Dank die scheuen Lippen regen Der Wahrheit Flamme lodert nicht vergebens,
Und unser Lied auch in den Jubel tönt, Der üherall aus tiefstem Herzensgrunde Zum Himmel dringt in dieser heil'gen Stunde.
Von ihr durchstrahlt erglühet unsre Brust:; Wir fühlen, welchem Borne sie entspringet, Und welchen Lohn sie ihrem Forscher bringet.


