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Andächtig lauschen wir der frohen Kunde, Die jene heil'gen Wunder offenbart, Durch die der Mensch mit Gott zum ew'gen Bunde Gleich Sohn und Vater neu vereinigt ward, Und wie ein heil'ger Geist zu jeder Stunde Allmächlig waltend jenen Bund bewahrt. Wir hören es und in des Herzens Ahnen Vernehmen wir zugleich des Geistes Mahnen.
Zu läutern heisst er erst das eig'ne Leben Der Wahrheit opfern jedes Erdengut, Also geweiht den Edlen nachzustreben, Die in dem Kampf des Glaubens nie geruht, Vom Trugbild düstren Wahnes rings umgeben, Zum Lichte drangen mit erhabnem Muth. Dem innern Auge zeigt er jene Schaaren, Die Gottes Kümpfer hier auf Erden waren.
Darunter strahlet Einer hoch vor Allen, Des heute Jeder hier mit Inbrunst denkt, Durch dessen Kraft manch Wahngebild zerlallen, Das Christi Schaar vom Glauben abgelenkt. Vor ihm verstummt des fremden Lautes Hallen, Weil deutschem Volk er deutsche Lehre schenkt: Lied und Gebet nun allverstanden klinget Und aller Herzen Gott zum Opfer bringet.
Und neben ihm erglänzen die Gestalten Erhabner Fürsten, die mit frommem Sinn Ihn treu beschirmt und seine Lehr' erhalten Zu eignem Heil und ihres Volks Gewinn. Vorsorgend zeigt sich hier des Zollern Walten, Der strenge prüfet vor des Werks Beginn, Und als er sieht, dass er des Ziels nicht fehlet, Mit festem Muth das Treuerprobte wählet.
So späht der Aar vom hohen Wolkenraume Zum Neste prüfend aus den sichern Ort, Der ihm und seiner Schaar am Felsensaume In Sturm und Donner sei ein ruh'ger Port, Und unberührt von Schnee und Regenschaume Obdach und Zullucht bleib' ihm fort und fort. So prüſte Zollern und was er gegründet, Ist Stolz der Enkel, die sein Geist entzündet.
So seh'n wir denn nach dreimal hundert Jahren Beglückt auch uns in treuer Zollern Hut. Was Fürst und Volk beschirmet in Gefahren, Die Wahrheit ist's und echter Glaubensmuth, Den Segen hat das Vaterland erfahren, Der auf so heil'gem Siegesbanner ruht, Und Fürst und Volk nah'n flehend dem Altare, Dass Gott uns dieses höchste Gut bewahre.
Dank Euch, Ihr Edlen, für das Denkgebilde! Des hohen Enkels, des erhabnen Ahn Verwandte Züge strahlen ernst und milde Aus diesem theuren Doppelbild uns an, Wie ihre Völker sie im Kampſgefilde Der Wahrheit Schutz, des Truges Schrecken sah'n. Sie mahnen uns, die herrlichen Gestalten, Was sie geschaffen, dauernd zu erhalten.
Nach diesem Vortrage wurde zum Schlusse mit Instrumentalbegleitung von der ersten! Gesangklasse„der erste Psalm'“ nach der Composition des Musikdirektors Lecerf auſgeführt.
Am andern Tage Vormittags nahmen die Lehrer, 60 Schüler der Gesangklasse und 20 andere Zöglinge der Anstalt, die zum Marschallsgeleite bestimmt waren an dem ſeierlichen Zuge Theil, der sich vom Cölnischen Rathhause aus nach der Nicolaikirche begab und wohnten dem Haupt-Gottesdienste in der genannten Kirche bei. Die Lehrer schlossen sich auch der Feier des heiligen Abendmahls an. Nachmittags um 3 Uhr hielten alle Lehrer und Schüler von einem Musikchore und denselben 20 Marschällen begleitet einen zweiten feierlichen Kirch- gang nach der Nicolaikirche, weil die petrigemeinde, welcher das Gymnasium angehört, wegen Mangels eines eignen Gottesbauses, der bei dieser Gelegenheit recht fühlbar wurde, keinen Nachmittags-Gottesdienst halten konnte. Die dort gehaltene Predigt las Herr Prediger Eys- senhardt, am Montage den 4ten in der ersten Versammlungsstunde auf den allgemein geäusser- ten Wansch Lehrern und Schülern noch einmal vor. So beschloss das Real-Gymnasium diese allen Theilnehmern unvergessliche Gedächtnissfeier, deren ganzer Verlauf der hohen durch sie gefeierten Ereignisse würdig war.
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