Aufsatz 
Die Vegetation in der Mark Brandenburg : ein Beitrag zur Pflanzen-Geographie / [Friedrich Wilhelm] Barentin
Entstehung
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einer Rede führte der Direktor den Zöglingen die denkwürdige Geschichte der letzten 30 Jahre durch die Schilderung der für unser Vaterland wichtigsten Begebenheiten vor Augen, die so reiche Veranlassung zu grossem Dank gegen die Vorsehung und zur Liebe gegen un- sern innigverehrten König darbieten. Das LiedNun danket alle Gott schloss die Feier.

2) Die von Sr. Maj. dem Könige mittelst Allerhöchster Cabinets-Ordre vom 21. Juli und II. September 1839. angeordnete und von den städtischen Behörden auf eine dem reli- giösen Gefühl und der vaterländischen Gesinnung gleich sehr entsprechende Weise veranstal- tete Säcularfeier der Einführung der Reformation in die Mark Brandenburg wurde am I. und 2. November auch für das Cölnische Real-Gymnasium wie für alle höhere und niedere Schulen der Hauptstadt ein erhebendes Fest.

Schon mehrere Wochen zuvor waren die Schüler durch besonders darauf eingerichtete Vorträge von ihren Lehrern auf die hohe Bedeutung dieses Festes aufmerksam gemacht wor- den. Jedem derselben war die von dem Herrn Prediger Bachmann für diesen Zweck ver- fasste kleine Schrift eingebändigt worden, die den Titel führtKurze Geschichte der Refor- mation in der Mark Brandenburg, Einladung an alle evangelische Christen zur würdigen Feier des bevorstehenden dritten Reformations-Jubelfestes. Der Hochedle Magistrat hatte zu diesem Zwecke dem Cölnischen Real-Gymnasium 400 Exemplare dieser Schrift bereits im Anfange des Octobers übersandt, und zur öflfentlichen Schulfeier die Stunde von 9- 10 Uhr am Isten November Vormittags bestimmt.

Lehrer und Schüler versammelten sich in dem festlich geschmückten Hörsaale, der durch die Büsten Luthers und Melanchthons und das Bild des Churfürsten Joachim II., so wie durch die Büste Sr. Maj. des Königs verziert war. Deputationen der höhern Schulbehörden, des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung beehrten die Feier durch ihre Theil- nahme; die Lehrerfamilien und einige Angehörige der Schüler hatten sich ebenfalls dazu ein-

gefunden. 2 Die Feier begann mit dem LiedeUeber Erd' und Himmel waltet unergründlich Gottes

Treu, das vor 9 Jahren zur Feier des Gedächtnisses der Uebergabe des Augsburgischen Glaubensbekenntnisses von dem Director gedichtet, von dem Musikdirektor Lecerf componirt an derselben Stelle ausgeführt worden war, und in dem Programm von 1831. S. 37. mitge- theilt ist. Darauf wurde von dem Director in einer Rede an die Zöglinge die Wichtigkeit der Reformation in allen Beziehungen herausgehoben, und theils an die frühern einleitenden Vorträge angeknüplt, theils auf das den Tag darauf angesetzte kirchliche Fest vorbereitet. Es wurde dann das Lied gesungenEin' feste Burg ist unser Gott, und der Director nahm die Vertheilung der Medaillen vor, welche die Stadt Berlin zur Erinnerung an dieses Fest hatte prägen und durch Guss veryvielfältigen lassen, und der Bücher, welche ebentalls zur Verleihung an erwählte Schüler bestimmt waren. Mit Bezugnahme auf die vorangegangene Rede sprach er jetzt also zu den für den Empfang dieser Geschenke bestimmten Schülern:

Es liegt in der Natur der Dinge, dass, wenn auch keiner von uns die Wiederkehr dieses schönen Festes erlebt, Ihr doch dereinst in den Jahren Eures männlichen Wirkens der Zeit näher stehen werdet, die ein neues Säculum der Wirksamkeit des evangelischen Geistes unter uns abschliesst. Wenn daher die Frage entsteht, wie wird nach hundert Jah- ren dieser Tag gefeiert werden, mit welchen Geſfühlen des Danks und der Freude wird man ihn begehen; so sind unsre Blicke zunächst auf Euch gerichtet. Wie Ihr den Geist der Wahrheit in Euch aufnehmt, mit welcher Gewissenhaftigkeit und Treue Ihr an der Entwicklung Eures bessern Selbst arbeitet und Euch geschickt macht, den göttlichen Willen durch Euer Streben und Handeln zur That werden zu lassen, welcher Geist sich über die