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Hr.-Schübler¹) hat durch eine sorgfältige Benutzung der vorhandenen Beobachtungen diese Verspätung in der Blüthenentwickelung näher zu bestimmen gesucht. Er fand, dass die nämlichen Pflanzen um Parma, welches 9° 16/ 34 südlicher liegt als Greifswalde, 36 ¾ Tag früher blühen, als in der Gegend von Greifs- walde, und zog daraus den Schluss, dass unter übrigens gleichen Umständen in Deutschland eine Pflanze um 4 Tage später aufblüht, wenn sie um 1° nördlicher wächst als eine andere derselben Art. Aus der bekannten Wärmeabnahme im mitt- leren Europa wird dann weiter gefolgert, daſs sich überhaupt das Aufblühen um einen Tag verspäte, wenn die mittlere Temperatur um 0, 135 R. sinkt, oder was dasselbe ist, dass die Vegetationserscheinungen an zwei Orten, deren mittlere Temperatur um 1°R. differirt, um 7 ¾ Tag auscinander liegen. Im nördlichen Europa verkürzt sich dieser Zeitraum, im Süden dehnt er sich noch mehr aus.
Es gebührt diesen Untersuchungen das Verdienst, das Faktum nicht allein ausser Zweifel gesctzt, sondern auch eine Gesetzmässigkeit, wie man sie aus anderen Ursachen wohl vermuthen durfte, in der Erscheinung nachgewiesen zu haben; obwohl jene Zahlen nur annähernd richtig sein können, und ihre durch die Rechnung ent- standene Genauigkeit nur eine scheinbare ist. Dass überhaupt das Erblühen der Pflanzen in verschiedenen Jahren sich keineswegs nach einem bestimmten Datum, sondern nach den jedesmaligen Witterungserscheinungen richtet, die aus bekannten meteorologischen Gründen in unserer Zone grossen Wechselfällen unterworfen sind), wird, auch abgesehen von diesen Gründen, Jedem bekannt sein, der mehrere Jahre hintereinander dieselbe Gegend botanisirend durchwanderte. In den Jahren 1835, 1836, 1837 war die Mitteltemperatur des Märzes nach einander 3,87˙, 7,19⁰°, 1,49° R. Welchen Einfluss müssen solche Differenzen auf das Wachsthum haben! ja selbst noch der August der genannten Jahre sucht diese Extreme auszugleichen, denn hier petragen die Mittel in derselben Folge 16,09, 14,91“, 17,67 R.
Dies vorausgeschickt wird es einleuchten, dass man Anfang und Ende der Blüthezeit wohl in jedem besonderen Fall, nie aber im Allgemeinen durch einen hestimmten Tag bezeichnen kann, und dass sich hier nur ungefähre Gränzen ziehen lassen, bei denen ein Spielraum von 8 Tagen, ja im Frühjahr noch darüber gestattet werden muss. Alle nachfolgenden Angaben üher Blüthezeit sind nur Mittel, gefunden durch eine vieljährige Beobachtung, die den nämlichen Werth haben, wie bei den Meteorologen die Mitteltemperaturen in der gemässigten Zone. Sie sind der feste Mittelpunkt, um den die ewig schwankende Erscheinung sich dreht.
Der Zeitraum in dem wir ohne Blumen sind, umfasst wenig mehr als drei
Monate, denn schon im Februar oft mitten im winterlichen Ungestüm treiben noch — ¹) Untersuchungen über die Zeit der Blüthenentwicklung mehrerer Pllanzen der Flora Deutschlands und benachbarter Länder. Botanische Zeitung 1830. B. I. S. 353. ²) Dove Meteorologische Untersuchungen 273. und Poggendorff's Annalen XXXVI. 318. 320.


