Aufsatz 
Die Vegetation in der Mark Brandenburg : ein Beitrag zur Pflanzen-Geographie / [Friedrich Wilhelm] Barentin
Entstehung
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Gebirge und weite niedere Flächen hervorgerufen, in der Vegetation am auffallend- sten sich darstellen. Einige Klimate sind der Entwickelung gewisser Pflanzenformen besonders günstig. An der Westküste Norwegens hört die Tanne(Pinus Abies) schon bei 67° auf, aber die Kiefer(Pin. syloestris) geht noch bis zum 70⁰. Die Birke sogar bis zum 71°. In Sibirien dagegen, welches durch ein continentales Klima characterisirt wird, bleibt die Kiefer schon südlich von Obdorsk zurück, die Birke erreicht noch diese Stadt, aber die Tanne dringt hier noch viel weiter nach Norden vor, bis auch sie nicht mehr fortkommt, und Lerchenbäume(Pin. Larir) welche sich allmählig jenen anschlossen, mit Alnus incana bis an die Küsten des Eismeers gehen. Pin. Abies verlangt demnach wärmere Sommer, kann aber grössere Kälte ertragen als Pin. syloestris. Die Lerchenbäume aher sind die Nadelhölzer, welche die grossen klimatischen Extreme Sibiriens zu ertragen vermögen; ja noch auf dem Berge Ulagtschan(134° 40 östl. von Paris, 61° 30/ Breite) der eine Höhe von 2544 hat zeigen sie ein freudiges Wachsthum, und finden sich selbst auf dem 3780 hohen Kapitanberg(138° L. von Paris, 60 45⸗ Br.) in einer Mitteltemperatur die zwischen 10°und 11° R. liegt ¹). Aehnlich wie im alten Continent ist die Reihenfolge der Nadelhölzer, wenn man von der Westküste Nord-Amerikas östlich wandert: anfangs wieder Pinus syloestris übergehend successive in andere Pinusarten. Wie der Norden hat auch der Süden auf den Gebirgen seine eigunen Formen, so auf der pyrenäischen Halbinsel Pin. Pinaster, in Italien Pin. Pinea, am Aetna P. Laricio, auf den Bergen der griechischen Küste P. maritima, auf dem Libanon die Cegder, u. s. w. Das Verzeichniss solcher stellvertretenden Arten liesse sich noch sehr be- reichern, wenn es darauf ankäme eine vollständige Uebersicht zu lieſern. Mögen auch die Ursachen, die eine solche Mannichfaltigkeit von Arten zur Folge haben, noch nicht überall nachweisbar sein, so werden sie sich doch sicher bei näherer Untersuchung und Vergleichung der Standörter genannter Bäume nachweisen lassen, wie dies schon bei vielen gegenwärtig der Fall ist. Die Grasform ist über alle Länder verbreitet; baumförmig aber werden die Gräser nur unter dem tropischen Himmel; gesellig wachsend zu Rasen und Wiesen dichtgedrängt vereint sind sie nur in kälteren Regionen; starrblättrige Gräser erzeugt Asien, wo durch die eigenthümliche Stellung der Gebirge eine kalte stagnirende Luftschicht den Strömungen der Atmo- sphäre in anderen Erdtheilen fremd bleibt. Lilien haben am Polarkreis wie unter der Linie ihre Repräsentanten, aber einen Formenreichthum wie ihn das südliche

²) A. Erman Reise um die Erde. Histor. Bericht II. 372. 375. Erwägt man noch, dass auch auf der Melville's Insel bei einer Mittel-Temperatur von 14,6°R. eine namhafte Flor angetroffen wird, so ist man genöthigt, solehen Thatsachen gegenüber, die gewöhnliche Vorstellung von der Schneegränze lallen zu lassen, und sich der neuerdings von Irn. Erman entschieden ausge- sprochenen Ansicht anzuschliessen: dass sich auf der Erde im Allgemeinen keine Mittel- Temperatur angeben lässt, bei welcher die Schneegränze zulsetzen ist. 1"+(