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nordischer Gegenden, giebt es in Portugal) nur auf der hohen Serra de Marao und in Italien auf den Bergen von Aspromonte. Die Région zwischen 5000 und 9000“ am nördlichen Himalaya trägt eine ganz europäische Physiognomie²); Prunella oul- garis, Thymus Serpyllum, Origanum oulgare, Nanunculus arvensis, Thlaspi arvense, Capsella Bursa Pastoris, Hedera Helix, Galium Aparine, Leontodon Tararacum, Acorus Calamus, Alopecurus geniculatus, Poa annua u. a. bei uns die gewöhnlichsten Pflanzen, sind auch dort zu finden. Ebenso Alsine media, über- all auf unseren Ebenen, wächst am Pik von Teneriffa in einer Höhe von 8000“, in einem Klima ähnlich dem der Schottischen Hochlande. Wo aber, wie in Amerika, zwischen den Wendekreisen hohe Gebirge in die Region des ewigen Schnee's hinein- ragen, da finden sich alle Abstufungen der Temperatur, alle Klimate liegen über- einander und mit ihnen alle Vegetationsformen, die im Niveau des Meeres vom Ae- quator bis zum Pol in unübersehbare Ferne auseinander gerückt sind.„So hat die Natur dem Menschen in der heissen Zone verliehen, ohne seine Heimath zu verlassen, alle Pflanzengestalten der Erde zu schen; wie das Himmelsgewölbe von Pol zu Pol ihm keines seiner leuchtenden Welten verbirgt ³).“—
Im Ganzen gehört es jedoch immer zu den seltneren Fällen, dass dieselbe Art weit über die Erde verbreitet ist; viel allgemeiner ist der Fall, dass derselbe Typus wiederkehrt, aber ausgeprägt in den allermannichfaltigsten Gestalten. Orchideen, Le- guminosen, Cyperaceen u. a. finden sich überall auf der Erde; eine ideale Grund- form verbindet alle Familienglieder vom Polarkreise bis zum Aequator, aber die Ur- gestalt ist in eben so viele Arten auseinandergegangen, als es verschiedene Umstände gab, unter denen sie in die Wirbklichkeit trat. Es ist eine der interessantesten Be- schäftigungen, nicht in der Botanik allein, sondern überhaupt in der gesammten or- ganischen Schöpfung, das stetige Modificiren der Urgestalt nach allen Richtungen hin mit der Wahrnehmung zu verfolgen, wie in dem steten, oft spielenden Variiren der Form sich immer noch ein regelndes Gesetz uachweisen lässt, wie kein Glied auch in den zahlreichsten Gruppen sich über die natürlichen Gränzen verirrt, sich auch in den seltsamsten Abweichungen der Grundgedanke nicht verwischt. Nur von dieser Seite angesehen, erhält die oft verwirrende Menge von Formen einen Sinn, und auch das unscheinlichste Thier- oder Pflanzen-Geschlecht eine Bedeutung in der grossen Reihe der lebendigen Wesen: sie alle sind Strahlen eines Mittelpunkts, alle sind Evo- lutionen derselben Idee. HiRI 3 Bint.
Die Ursache dieses Formenwandels bei den Pflanzen liegt hauptsächlich im Klima, dessen grosse Verschiedenheiten, nicht allein durch die geographische
Breite, sondern auch durch Meeresnähe, ansehnliche Continente, durch Hochebenen, 1) Link Urwelt und Alterthum. I. 257. ²) S. Royle IIlustr. London, 1833. fase. 1. Meyen Pflanzengeographie 107. ³) Alex. v. Humboldt Ansichten der Natur. II. p. 45. 1*


