Aufsatz 
Der Fuciner See / [Gustav] Kramer
Entstehung
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10 Ueberblick des Apennin.

das Thal der pontinischen Sümpfe, welchen als letzte Spur jener Kettenbildung der Monte Circello, stets dieselbe Richtung bewahrend, vorgelagert ist. Wenn in dieser Hinsicht jenes System der Kettenbildung am regelmässigsten und reichsten entwickelt hier erscheint, so muss man zugleich dabei bemerken, dass diese Ketten vielfach ent- weder ganz und gar durchbrochen und in kleinere Massen getrennt sind, wodurch die auffallende Bildung der in einem scharfen rechten Winkel sich wendenden Fluss- thäler, wie z. B. beim Aterno, Liri und Aniene, entsteht, oder doch so bedeutende Senkungen in dieselben einschneiden, dass sie leicht zu übersteigenden Pässen Raum geben: woher es denn kommt, dass gerade in diesem erhabensten und breitesten Theile des Appenin derselbe aufs Bequemste würde überstiegen werden können, wenn die Strassen gebahnt wären, wie weiter unten bei näherer Beleuchtung dieser Ver- hältnisse wird gezeigt werden.

In Bezug auf die weitere Entwickelung des Apenninensystems mag es genü- gen zu bemerken, dass, indem nicht allein, wie bereits gesagt wurde, die Massen sich mehr und mehr von einander trennen, sondern im Allgemeinen sich der Seite des tyrrhenischen Meeres zuwenden, mit allmählig überhandnehmender Hauptrichtung der ganzen Kette nach Süden, der Character beider Abhänge nach Ost und nach West sich wesentlich ändert. Im östlichen, dem adriatischen Meere zugewandten, treten einerseits bedeutendere und längere Flussläufe, obwohl immer keine eigentli- chen Systeme auf, wie bereits die Pescara, dann der Sangro, und namentlich der verhältnissmässig gar nicht sehr fern von der tyrrhenischen Küste entspringende und den Apennin quer durchsetzende Ofanto: andrerseits giebt der ebene Küstensaum von beträchtlicher Breite, der sich vom Fortore an zwischen der Apenninenkette und der Küste des adriatischen Meeres hinzieht, und von nur mässigen Hügeln unter- brochen durch die japygische Halbinsel bis zum Capo di Lcuca erstreckt, ein von dem nördlichen Theile dieser Küste durchaus abweichendes und so bestimmtes, unver- änderliches Gepräge, dass dadurch alle Verhältnisse dieser Gegenden aufs Entschie- denste von jeher bedingt worden sind. Ueber diesen ausgedehnten Niederungen er- hebt sich der Vultur, der dem Apennin selbst fremd, und eine eigenthümliche Bil- dung, ihm zu einer Art Grenzstein nach dieser Seite hin dient. Denn von hier an wendet sich der Hauptzug von der bis dahin beobachteten südöstlichen, nun fast zu völlig südlicher Richtung; wobei die nun wieder mehr zu einer geschlossenen Kette zusammengezogene Hauptmasse des Gebirges mit ihren Steilabfällen immer näher an das tyrrhenische Meer tritt, in welches dasselbe alsbald mit derselben oder noch grösserer Steilheit abstürzt, als bei seinem Anfange im Genuesischen. Der Abfall nach Südosten, dem prachtvollen tarentinischen Busen zu, bildet in zahlreichen, von dem Hauptstamne auslaufenden Parallelzweigen, zwischen denen, ganz nach Art der Thaltinnen im mordöstlichen Abfalle des obern Apennin, fünf stattliche Flüsse in einer nieht preiten Strecke dem Meere zueilen, das gesegnete Hügelland der Provinz Ba-