Ueberblick des Apennin. 9
tergeordnete, ihm vorgelagerte Kette mit demselben verbindet. Diesem Zweige sich an- schliessend durchschneidet das tiefliegende, und oberhalb Terni(325 üb. d. M.) ziem- lich enge Thal der Nera ebenfalls diese Parallelthalbildung; denn dieselbe hat keines- wegs bei Spoleto ihr Ende erreicht, sondern findet ihre Fortsetzung in dem freilich wiederum in höherem Niveau liegenden Thale von Rieti, welches unter ganz analogen Verhältnissen, und in gleichem Character, als die vorhergenannten südöstlich zieht bis Rieti. Bekannt ist, dass bei der geringen Abdachung auch dieses Thales, und der eigenthümlichen Natur des durch dasselbe hinströmenden Velino, der reichlichen Kalksinter absetzt, seine Mündung lange versperrt und ein grosser Theil des Thales in einen See umgewandelt war, bis dem Wasser durch Kunst sein freier Lauf ge- geben, die gesegneten reatinischen Felder trocken gelegt und der prachtvolle Was- serfall delle Marmora gebildet wurde. Das anfangs schmalere, nach etwa einer Meile aber sich ausserordentlich erweiternde, wohl über eine Meile breite Thal von Rieti wird allerdings durch Hügel, welche sich unmittelbar im S. O. dieses Ortes erheben, wiederum fast ganz geschlossen, doch wird es nichts destoweniger in derselben Rich- tung in dem dicht oberhalb Rieti freilich ziemlich engen, weiterhin sich aber wieder erweiternden Thale des Salto fortgesetzt, welches am Fusse der hohen Kette des Ve- lino hinziehend, bis zum grossen Becken des Fuciner Sees führt. Mit diesem nimmt jene ausgedehnte Thalspalte, welche sich vom Ursprunge des Tibers bis hierher in einer Länge von mehr als dreissig Meilen verfolgen lässt, ein Ende. Denn von diesem Puncte, um welchen sich die höchsten Colosse des Apennin, gleichsam vom mäch- tigsten Hitzheerde der Halbinsel emporgetrieben, gruppiren, hört die bisher beobach- tete grössere Regelmässigkeit der Kettenbildung auf, und obwohl sie keineswegs ver- schwindet, so lösen sich doch die einzelnen Gruppen freier und selbstständiger, wo- durch die Thalbildung in dem davon südlich liegenden Theile Italiens einen sehr verschiedenen Character von dem nördlichen erhält.
Hier aber in den Umgebungen des Fucino hat jenes Verhältniss der Paral- lel-Ketten und Thäler seine vollste Entwickelung erhalten, und sie bilden in ihren verschiedenen Vorlagerungen eine Art Terassenbau von gewaltigster Grösse. Denn so wie in der Richtung der oben verfolgten Thalspalte gegen N. W. sich Abstufun- gen bemerken lassen von der Ebene des Fucino(sein Spiegel 2046, üb. d. M. nach Schouw) zum Thale von Rieti(1290), und von da zum Thale von Foligno(5590) hinab, so sind in der Richtung von O. nach W. noch viel mehr Stufen vorhanden. Die östlichste und höchste bildet der Monte Gorno oder Gran Sasso, der, obwohl nur eine Abzweigung des Hauptkammes, in dem Zuge seiner Massen der Richtung des- delben folgt, mit dem an seinem Fusse sich hinzichenden, durch den Aterno bewäs- serten, weiten Thale von Aquila(22310; dann folgt die Kette des Velino, an des- sen Fusse das Thal des Fucino; eine dritte Stufe bildet das Thal des obern Liris; eine vierte das Thal des obern Anio; eine fünfte das Thal des Sacco; eine sechste
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