Aufsatz 
Der Fuciner See / [Gustav] Kramer
Entstehung
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Ueberblick des Apennin. 7

und die Flüsse, trotz ihrer zum Theil nicht unbeträchtlichen Wassermenge meist die Natur von Sturzbächen haben, so ziehen sich die Thäler des westlichen Abfalls gröss- tentheils in derselben Richtung, als der Apenninenzug von N. W. nach S. O., dem Meere sich nur allmählig nähernd. Es zeigt sich ein Parallelismus der Ketten und Thäler, der sich in grösserm und kleinerm Maassstabe vielfach wiederholt. So er- streckt sich(um untergeordnetere Bildungen, wie das reizende Thal von Gubbio un- mittelbar unter den jählings aufsteigenden Felswänden des Monte Cucco, Catria etc., dem das Thal von Nocera analog sein möchte, zu übergehen) an dem Fusse zuerst des in diesem Theile weniger wild nnd steil abfallenden Hauptkammes, dann von demselben, nachdem er sich vom Monte Nerone an zu gewaltigen, kühn emporstar- renden Felsmassen zu erheben begonnen, durch vorgelagerte niedrigere und sanfter gebildete Vorhöhen getrennt, das Tiberthal von seinen beiden Quellen an der Höhe des Coronaro in südöstlicher Richtung den Apennin entlang, bis unter die hohen Hügel von Perugia: eine tiefe Einsenkung von verschiedener, an manchen Stellen, wie bei Borgo S. Sepolcro, sehr beträchtlicher Breite, welche, wenigstens von Pieve di S. Stephano(1289 üb. d. M.) an, einen völlig ebenen, sehr allmählig ab- fallenden Thalboden hat. Es wird im Westen von einem, der Hauptkette parallel- laufenden, untergeordneten Joche begrenzt, welches sich vom nördlichen Apenninen- stamme unmittelbar bei der Tiberquelle am Coronaro abzweigt, und obwohl es sich in manchen Puncten zu nicht unbedeutenden Höhen erhebt, im Allgemeinen gegen- den zu an Höhe abnimmt, und eine viel weniger zusammenhängende Masse bildet, als der Hauptzug des Apennin. So wird es von den bedeutenden Querthälern des mittleren Tiber und der Nera durchsetzt: ist aber nichts desto weniger bis in die Gegend des Anio zu verfolgen, wo andere Verhältnisse aufzutreten beginnen.

An der westlichen Abdachung dieses Zuges, welche von den uralten Städten Arezzo und Cortona beherrscht wird, zieht dem obern Tiberthale parallel, das weite fruchtbare Thal der Chiana. Dieses, eigentlich selbst nur die Fortsetzung des obern Arnothals im Casentino, beginnt von dem Kniee des Arno oberhalb Arezzo und bewahrt ununterbrochen dieselbe Richtung bis unter Orvicto, wo es in das untere Tiberthal mündet: ja dieses untere Tiberthal, durch das erwähnte Querthal mit dem obern verbunden, ist bis zum Soracte nichts als die Fortsetzung eben des Chianathals. Und obwohl diese Bildung durch die Tuflaufschüttungen der Campagna di Roma etwas gestört, und dadurch der Tiberlauf in seiner Richtung geändert wird, so lässt sie sich auch noch weiter verfolgen durch das Thal des Sacco, und des mittleren Gari- gliano bis St. Germano, dann weiter durch die lange Schlucht von Mignano nach dem mittlern Volturno, endlich den Calore aufwärts bis in die Gegend von Benevent:

eine Thalsenkung, welche, obwohl in den verschiedenen Theilen verschieden modi-

ficirt eine Ausdehnung von 50 60 geogr. Meilen hat, und mehr als die Hälfte der Halbinsel in derselben Richtung durchzieht. Die westliche Begrenzung ihres nörd-