Ueberblick des Apennin. 5
Das System*), welchem der Fuciner See angehört, ist der Apennin, von wel- chem Italien überhaupt in allen seinen Beziehungen dermassen bedingt ist, dass kaum irgend ein Theil dieses Landes behandelt werden kann, ohne auf ihn zurückzugchen. Selbst die grosse lombardische Ebene, die in ihrer eigenthümlichen Stellung der Ver- mittelung zweier grossen Gebirgssysteme fast eine eigne Selbständigkeit zu haben scheinen kann, ist in höchst wesentlichen Verhältnissen, zunächst und hauptsächlich in ihrer südlichen Hälfte, von ihm abhängig. Ebenso sind es alle jene kleinern Berg- systeme vulcanischen Ursprungs im mittleren Itolien, welche, wenn auch in gewisser Hinsicht selbständig und von ihm gesondert, dennoch wiederum enge mit ihm ver- kettet, und ihm untergeordnet sind. Es ist aber im Allgemeinen zum Apennin zu rechnen die ganze Masse grösserer und geringerer Erhebungen, welche ausser den eben erwähnten vulcanischen Systemen, die italische Halbinsel bis zu ihrer südlich- sten Spitze durchziehen, man möchte fast sagen füllen.
Der Anfang des Apennin ist, rein geographisch angesehen, nahe oberhalb Sa- vona, nordöstlich davon, zu sctzen, wo der Kamm der Hügel, welche ihn mit den Alpen verbinden, bei Altare, oberhalb der Quellen der östlichen Bormida bis zu der geringen Höhe von 1250 Fuss herab sinkt ³). Von dort zieht er sich, wie eine jede Karte es zeigt, zuerst an der Küste nordöstlich bis über den innersten Winkel des Golfs von Genua: dann aber in ostsüdöstlicher Richtung durch die ganze Breite der Halb- insel quer hindurch nach dem adriatischen Meere zu, einem hohen, ununterbrochenen Damme vergleichbar. Dies ist in diesem Theile recht eigentlich sein Character: denn wenn auch nicht in allen seinen Punkten von durchaus gleicher Höhe, so bildet er doch im Ganzen einen ziemlich gleichmässigen Kamm, der nirgends eben viel unter 4000“ absoluter Höhe herabsteigen möchte, in nicht vielen Puncten sich bedeutend darüber erhebt. Der Monte Cimone, südlich von Modena, der höchste Punct dieses Theils hat nach Pini eine Höhe von 6548“ üb. d. Meere. Wie verschieden dagegen ist der Anblick, welchen die ihm gegenüberliegenden Alpen darbieten mit ihren zahl- losen, himmelhoch emporragenden Hörnern und Nadeln, die sich in unabsehbarer Linie, wie zur Vergleichung ausdrücklich hingestellt, vor dem Auge des erstaunten Wanderers ausbreiten, wenn er das Dach des Mailänder Doms, für sich ein Wun- der neben so vielen Wundern, besteigt. Dieser Kamm ist gleichsam die Basis des Apennin, die Wurzel des gewaltigen Baumes, der von da ab mit mancherlei Spros-
²) Zum bessern Verständnisse dieser Bemerkungen würde eine graphische Darstellung der angedeute- ten Hauptverhältnisse sehr nützlich gewesen sein; indess da dieselben, wenn auch keineswegs völlig, doch ziemlich genügend auf dem saubern und viel verbreiteten Käürichen Italiens von J. L. Grimm dargestellt sind, so schien es mir hinreichend, darauf hinzuwveisen. Ich kenne für diesen Zweck keine bessere Karte.
3) s. Chabrol de Volvic Statistique des Provinces de Savone, d' Oneille etc. Par. 1824. Ueber diesen Pass zog die alte Via Aemilia, gleichsam die Grenze der Alpen und des Apeunin. s. Strabo V. p. 217.


