4 Einleitung.
priesenen Landes zu geben, welches, wenn auch nicht zu durchforschen, doch wenig- stens in ziemlich umfassender Ausdehnung zu schauen, mir vergönnt war. Und ich habe, da mir diese Gelegenheit öffentlich zu reden dargeboten wurde, um so lieber einen solchen Gegenstand meiner Abhandlung gewählt, als er den Meisten derjeni- gen, in deren Hände dieselbe gewiss kommt, wenigstens einigermassen zugänglich, für manchen Andern vielleicht auch nicht ohne Interesse ist. Dass meine Wahl grade, auf den Fuciner See fiel, hat seinen Grund darin, dass dieser, von der Heerstrasse der meisten Reisenden ferner liegende, und deshalb seltner besuchte und im Allge- meinen noch weniger, als andere, bekannte Punct ¹) viel Eigenthümliches hat in Be- zug auf seine Lage, seine Natur und seine Geschichte, was ihn vor vielen an- dern auszeichnet. Ein günstiges Zusammentreffen von Umständen hat überdies manche auf eben diesen See bezügliche Nachrichten in meine Hände geführt, deren Mitthei- lung, wenn nichts Anderes, den nachfolgenden Zeilen einige Theilnahme sichert.
Um aber ein so vereinzeltes, im Verhältnisse zu der Gesammtheit des geogra- phischen Systems, welchem es angehört, so untergeordnetes Glied in seinem eignen Wesen, und seinen äussern Bezichungen begreifen zu können, wird es nöthig sein, wenigstens in einigen allgemeinen Zügen ceben jenes System darzulegen: so gewagt es auch ist, eine solche allgemeine Betrachtung zu unternehmen, wenn ihr nicht eine genaue und gründliche Erforschung der wesentlichsten Verhältnisse im Einzelnen vorangegangen ist. Eine solche aber habe weder ich selber anstellen können, noch kann ich mich auf die Untersuchungen und Arbeiten Anderer stützen. Jedenfalls macht die nachfolgende Darstellung nur die bescheidensten Ansprüche eines Versuchs.
¹) Das merkwürdige vom Kaiser Claudius ausgeführte Emissarium dieses Sees hat schon von jeher die Aufmerksamkeit in mancher Hinsicht auf sich gezogen, und mehrere Werke veranlasst, in denen natürlich auch vom See selber mehr oder weniger auslührlich die Rede sein musste. Die wich- tigsten derselben sind: Historiae Marsorum libei tres auct. Mutio Phoebonio, Neap. 1678.(auch in Graevii et Burmanni Thes. antiq. Ital. Tom. IX. P. IV.), ein mit höchster Unkritik abgefasstes, in einer fast unerträglichen Sprache geschriebenes, und doch nicht unwichtiges Buch; Fabretti de Emissario Fucini, zusammen mit seinem Syntagma de Columna Trajani, Rom. 1683, vortrefflich, namentlich in den philologischen und historischen Theilen; Hirt Reise von Grottaferrata nach dem Fueinischen See und Monte Cassino(Horen 1796 St. 11 u. 12.), fast ganz aus dem vorigen Buche geschöplt, mit wenigen eignen Zusätzen, dureh welche die Sache nichts gewinnt; Carlo Afan de Rivera Considerazioni sul progetto di prosciugare il lago Fucino etc. Nap. 1823, mancherlei schätz- bare Nachrichten enthaltend, aber ohne rechte Krilikc und mit Vorurtheilen geschrieben; endlich des- selben Verfassers Progetto della Ristaurazione dello Emissario di Claudio etc. Nap. 1836. Hierin ist der Bericht über die unter des Verfassers Leitung ausgeführte Ausräumung des Emissars enthah- ten, das Beste demnach, was es darüber giebt. Den genannten Büchern verdankt die nachfolgende Darstellung Vieles, ohne jedoch, denke ich, durch sie überflüssig gemacht zu sein.» Was Corsignani in seiner Reggia Marsicana(Nap. 1738), einer unglaublich elenden Compilation, über diesen Gegen- stand sagt, ist fast ganz aus Phoebonius genommen. Antinori Memorie istoriche delle tre Provin- cie degli Abbruzzi(Nap. 1781) habe ich nicht benutzen können, ohne, ich gestehe es, grosses Be- dauern darüber zu empfinden. 1 8


