2 Einleitung.
umfassenden und tiefeingreifenden Thätigkeit auf dem ihr eigenthümlichen Gebiete, und unter ihrem eignen Namen begegnet man, wenn wir von einigen allerdings be- deutenden Erscheinungen absehen, wie es mir wenigstens vorkömmt, eben nicht häuſig.
Der Grund dieses Verhältnisses möchte auch nicht schwer zu finden sein. Denn da die Erdbeschreibung zur Aufgabe hat, die Erde darzustellen in ihren un- endlich mannichfaltigen, wunderbaren Bildungen, das Resultat jener geheimnissvollen, grossartigen Entwickelung, welche der Gegenstand der Geologie ist: und wiederum in ihren mannichfach verwickelten Beziehungen zur Geschichte des auf ihr in bun- tem Wechsel lebenden Menschengeschlechtes, dessen Geschicke dennoch keinem blin- den Zufalle gehorchen, sondern durch tausend geheimnissvolle Fäden verknüpft sind; so muss dem, welcher die in ihr liegende Aufgabe lösen soll, gleichermassen der Sinn für wahre Auffassung der Natur, wie der Geschichte nicht allein gegeben, son- dern derselbe auch nach beiden Seiten gleichmässig ausgebildet sein. Und wenn das erste schon vielleicht nicht häufig sein möchte, so ist das letzte gewiss sehr selten, vornemlich in unsern Zeiten, wo nicht nur die Wissenschaften ihren wahren Zu- sammenhang mit dem Gesammtleben der Menschen fast gänzlich verloren, sondern sogar untereinander selbst sich fast ins Unendliche gespalten und isolirt haben. End- lich aber wird, wenn auch diese beiden Erfordernisse vorhanden wären, dennoch das gesteckte Ziel nicht erreicht werden, wenn dazu nicht noch jene glückliche Gabe der Darstellung kommt, welche die empfangene eigne Anschauung auch in die Seele des Hörers zu verpflanzen weiss: was hier um so schwieriger ist, als man sich auf dem reichsten Felde der mannichfaltigsten Erscheinungen befindet, für welche kein System und keine erschöpfende Terminologie weder gefunden ist, noch jemals gefunden wer- den wird. Leicht gesprochne schöne Redensarten reichen da nicht aus, wie wohl Mancher meint.
Hienach dürfen wir uns nicht sehr wundern, wenn es bedeutende geographi- sche Leistungen weder in grosser Zahl, noch gerade für die Gegenden, für welche man sie am meisten erwarten sollte, giebt; ich meine für Europa überhaupt, und ins- besondere für die Länder, für welche sowohl seit Jahrhunderten schon das regste, als auch, seiner räumlichen Verbreitung nach, das allgemeinste Interesse vorhanden ist, nemlich Griechenland und namentlich Italien. Es giebt gewiss kein Land, wel- ches so vielfach und zu allen Zeiten besucht und durchzogen wäre, wie Italien: von den wilden Barbarenschwärmen alter Zeiten an, welche von unwiderstehlichem Drange nach den Wundern und dem Reichthume des Südens getrieben, die Alpen überstie- gen, durch alle Jahrhunderte hindurch bis auf die Touristen unserer Tage, die, wenn auch in friedlichern, doch kaum weniger zahlreichen Schaaren ununterbrochen dort- hin ziehen, sollte es auch oft nur sein, um die innere Leere mit einem scheinbaren Inhalte zu füllen, oder gar die eigne Erbärmlichkeit an der Herrlichkeit und Grösse der Erscheinungen dort zu messen. Es hat denn auch allerdings nicht gefehlt, dass


