Aufsatz 
Ueber die Naturgeschichte des Kreuzsteins, eine mineralogische Abhandlung / von F. Köhler
Entstehung
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beweist sie uns doch hinlänglich die Unvollkommenheit messbarer Krystalle; die Annäherung an den Neigungswinkel der Granatoederkante gegen die Axe bleibt aber unverkennbar, und spricht unter den obwaltenden Umständen eher für als gegen die Gleichgliedrigkeit des Kreuzsteins. 1

Der Kreuzstein stellt also den interessanten Fall eines in seinen Abmes- sungen gleichgliedrigen, in seiner äussern Form und innern Structur aber zwei- undzweigliedrig sich entwickelnden Krystallsystems dar, das durch seine Zwil- lingsverwachsungen die unter seinen Flächen eingetretenen physikalischen Ge- gensätze zur Gleichgliedrigkeit neutralisirt.

Bei solchen in den Dimensionen eines gleichgliedrigen Systems wurzeln- den Krystallsystemen ist es zu vermuthen, dass, jemehr sie sich in der Gestalt- entwickelung von der regulären Symmetrie entfernen, auch die Winkelverhält- nisse einer, wenn auch nur kleinen, Aenderung unterworfen seyn werden. Es werden uns aus diesem Grunde die Winkeldifferenzen erklärlich, die zwischen den verschiedenen Kreuzsteinen selbst sich ergeben, und die man am abwei- chendsten bei dem Phillipsit gefunden hat.

Etwas Analoges ist bereits am Schwefelkies beobachtet worden*), der in manchen stängligen Varietäten mit der in der Richtung der Stängel liegenden IHHauptaxe aus der regulären Symmetrie heraustritt, und geometrisch viergliedrig, physikalisch aber zweiundzweigliedrig sich gestaltet. Auch hierbei war ganz gewöhnlich das Abweichen vom regulären Habitus mit einer kleinen Winkelver- schiedenheit verknüpft.

Da die Mischung den unläugbarsten Einfluss auf die Form der Körper ausübt: so hätte man auch vermuthen können, dass diese kleinen Abweichungen in den Dimensionen der Kreuzsteine von einer Aenderung in der Mischung be- gleitet wären, ebenso wie die Aenderung in der Mischung der isomorphen Kalk-, Bitter- und Talkspathe eine entsprechende geringe Abweichung in den Dimen- sionen der genannten Mineralien zur Folge hatte. Allerdings hat es sich durch

Gmelin's und Wernekinck's Analysen bestätigt, die den mit den Winkel- verhältnissen verbundenen Unterschied zwischen einem Kali-Kalk- und einem

Bar ytkreuzstein darthaten. Späterhin untersuchte Wollaston den von Lev y

1) Poggendorffs Annalen der Physik XIV. 92.