Aufsatz 
Ueber die Naturgeschichte des Kreuzsteins, eine mineralogische Abhandlung / von F. Köhler
Entstehung
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In manchen Fällen gränzen die beiden scheinbar einen Krystall bilden- den Individuen nicht so regelmässig aneinander; man bemerkt dann die Ver- wachsungsgränze in unregelmässig laufenden, aber durch das gegenseitige Ab- schneiden der Streifung sehr kenntlichen, Linien. Einen solchen Krystall ver- sinnlicht Fig. 4 nach einem aus den Mandelsteinen von Oberstein genommenen Originale. Ueberhaupt sind unter den obersteiner Kreuzsteinen häufig Zwil- linge, die aber durch das Verkümmern des einen Individuums nur einfache Kry- stalle zu seyn scheinen.

Mit einem sehr interessanten Zwillinge hat uns Haidinger bekannt gemacht. Dieser, in einem Basalte bei Sirkwitz zwischen Löwenberg und Bunz- lau in Schlesien vorkommende, Kreuzstein, der in seinem geognostischen Ver- halten die grösste Aehnlichkeit mit dem marburger zeigt, nämlich zwischen den Säulen eines festen Basalts in zerreiblichen, oft nur faustgrossen, Stücken sitzt, würde die Zwillingsverwachsung kaum wahrnehmen lassen, wenn nicht an jedem Individuo die Abstumpfungsfläche s des einen Endkantenpaares erschiene, aber nicht bei paralleler, sondern bei rechtwinklig sich kreuzender Stellung beider Indiriduen. Beide Individuen begränzen sich auch hier unregelmässig; die Gränze ist aber entweder nur durch eine ganz schwache, oder durch gar keine Streifung der Flächen bezeichnet, von welchem letztern Falle ich mich durch eigene Beobachtung überzeugt habe. Eben so wenig zeigen die Säulenflächen eine Streifung, die, wenn sie vorkäme, eine einfache horizontale seyn müsste, da bei diesem Zwilling die die Flächen s tragenden Säulenflächen, und nicht die mit rhombischer Streifung versehenen nach aussen gekehrt sind.

Fig. 6 und 7 stellen die gewöhnlichen, zuerst beobachteten, Zwillinge des Kreuzsteins dar, so wie sie zu Andreasberg und Kongsberg vorkommen, und wie sie zuerst Romé de l'Isle*¹) und v. Trebra ²³) und später v. Buch ³) und Jordan) beschrieben. Weiss stützte sich in seiner ausgezeichneten Abhandlung über den Kreuzstein auf diese Zwillinge, als er die Behauptung des viergliedrigen Charakters derselben aufstellte, der sich nothwendig daraus ergeben muss, dass

1) Traité de cristallographie. Paris 1783. II. 299.

2) Erfahrungen vom Innern der Gebirge. Dessau und Leipz. 1785. 89.

3) a. a. O.

4) Mineralogische und chemische Beobachtungen und Erfahrungen. Gött. 1800. 173.