Aufsatz 
Ueber die Naturgeschichte des Kreuzsteins, eine mineralogische Abhandlung / von F. Köhler
Entstehung
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stellte nur ungefähre Messungen an, aber solche, die sich durch Berechnung nicht controlliren lassen. Hessel¹) führt beim Basaltkreuzstein den Neigungs- winkel von 44°(auch nach ungefährer Bestimmung) gegen die Axe an; daraus würden wir den Neigungswinkel in den Endkanten des Quadratoctaeders zu 118051 erhalten. Neuerlich hat Levy unter dem Namen Phillipsit ein Fossil aus einer Lava von Aci Reale in Sicilien beschrieben*²), das offenbar auch nichts anderes als ein Kreuzstein, und zwar ein den basaltischen ähnlicher ist. Er hat den Winkel von P auf P annähernd, zu 1230°30 und den von P auf o zu 117°30/ angegeben, was, wenn beide gemessene Winkel sind, gut mit einander übereinstimmt.

IHlieraus ergäbe sich also, dass der Kreuzstein der Basalte bald einen stumpfern, bald einen schärfern Winkel in den Endkanten des Quadratoctaeders als der des ültern Gebirges hat.

Aber wie unsicher sind sämmtliche Angaben über die Neigungsverhält- nisse der Krystallflächen des Kreuzsteins, wie wenig stimmen sie untereinander, und wie viel Schwierigkeiten setzt auch die Natur seiner Oberfläche den genauen Messungen entgegen! Ich glaube kaum, dass man im Stande seyn wird, Kry- stalle zu finden, an denen Messungen mit der erforderlichen Schärfe angestellt werden könnten, und wovon sich etwas Entscheidendes für Ausmittelung seiner Dimensionsverhältnisse erwarten liesse, die wir aus einer andern Betrachtung abzuleiten von der Natur geführt werden.

Mehr als die Betrachtung der einfachen Krystalle ist die der Zwillinge geeignet, uns eine richtige Vorstellung von der eigenthümlichen Gestaltungsweise des Kreuzsteins zu liefern. Sie waren es, die in ihren auffallenden Formen zu- erst die Aufmerksamkeit der Mineralogen rege machten, und zur Aeusserung ver- schiedener Meinungen über die Entstehung und Erklärung ihrer Form Veranlas- sung gaben. Der Gedanke an eine Zwillingsverwachsung trat bald an die Stelle der ältern Ansicht von der Einfachheit der Krystalle, und Weiss zeigte vorzüg- lich, wie sich auch auf ihn die Gesetze der ausgezeichnetsten Zwillinge anderer Mineralsubstanzen anwenden liessen ³), und zog dabei den eben so interessan-

1) Hessel, a. a. O. 2) Levy in annals of philosophy. new ser. X. 362. 3) Weiss in Haüy's Lehrb. der Mineralogie, deutsch v. Karsten u. Weiss. III. 243.