Aufsatz 
Geschichte der religiösen Bewegung im Hochstifte Fulda während des 16. Jahrhunderts / von J. Gegenbaur
Entstehung
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Der Laudgraf ſetzte einen Statthalter Urban von Boineburg, einen Viceſtatthalter Johann von Dalwigk und einen Kanzler ein und nahm den Titel einesFürſten in Buchen an. Die Commiſſarien des Landgrafen vertrieben ſieben Franziskaner vom Frauenberge und waren der Meinung, daß man die ſiegreiche Stell⸗ ung der Waffen benutzen müſſe, um alle Klöſter und Probſteien einzuziehen; aber der Landgrafbegnugte ſich*) für jetzt mit den ſanften Mitteln allmähliger Aufklärung, und als man ihn angieng, noch eine Kirche für die Reformirten einzuziehen, erklärte er:Iſt noch zu frühe, und können die wenig Reformirten, die dort ſind, ſich mit einer Kirche wohl behelfen. Ueber die Stimmung und Zuſtände unter der Bürgerſchaft, ſowie über die Pläne des Regenten, giebt ein Aktenſtück im Archive der Stadt ſo hinreichenden Aufſchluß, daß wir es hier, um die Färbung und Haltung des Berichts nicht im geringſten zu verwiſchen, ſeinem weſentlichſten Inhalte nach mittheilen. Am 10 Februar 1633 erſchien der Stadtoberſchultheiß Georg Hector von Joſſa am Rathhauſe, über⸗ reichte einen fürſtlichen Befehl, zeigte ein offenes Mandat vor und hielt mündlichen Vortrag:

Demnach der Durchleuchtig vndt Hochgebohrnne Fürſt, vndt Herr, Herr Wilhelm Landtgraff zu Heßen, Graff zu CatzenElnbogen, Dietz, Ziegenhain, vndt Nidda ꝛc. vnßer allerſeits gnd Fürſt vndt. Herr, in dieſem ihrer F. G. Stiefft vndt Fürſtenthumb Fulda, beſonders aber auch in hieſiger Stadt, nicht allein das exercitium Augustanae confessionis einführen, ſondern auch der Jugent zum beßern, eine ſchuhl, vndt darbeneben ein presbyterium anordtnen zu laſſen gnedig entſchloßen, zu ſolchem ende den S. F. G ihren anhero verordtneten Statthalttern, Cantzlar vndt Räthen, ihr fürſtliches chriſtliches vorhaben ehiſt Zu werck Zu richten gnedigen beuelch ertheyllt, alß were deßwegen ein offenes mandat bei fürſtlicher Cantzley außgeferttiget, vndt ihme dasſelbe Herrn Bürgermeiſtern, Rath, vndt gantzer gemeiner Bürgerſchafft zu publiciren übergeben worden, worbey aber hochge⸗ dacht. J. F. G. meinung gantz vndt gar nicht were, oder es den verſtandt haben ſollte, ob woltten ſie einen oder den andern zu annehmung einer neuen glaubensbekentniß, vndt alſo die gewißen Zwingen laßen, ſondern einen ieden, bey ſeiner voriger religion zu verpleiben oder die andere anzunehmen iederzeit frey, vndt beuorſtehen, ſein vndt pleiben ſollte, damitt aber gleichwoll das wortt Gottes der Euangeliſchen religion gemeeß, deſto beßer von Menniglichen verſtanden, vndt mitt vleiß angehört werden mögte, ſo were dahin geſchloßen, weil ihre Kirchen ſo ſchlecht vor der bürgerſchafft beſucht würde, vndt bißhero die Anzahl der Zuhörer ſehr gering geweſen, das nun, vndt hinführo ſolches in hieſiger Pfarrkirchen, vff die Sonntägk, vndt wan es ſonſten die notturfft erfordern oder ihnen gefellig ſein würde auch geprediget, darbey aber den Catholiſchen Priſtern ihr exercitium, auch libere ge⸗ laßen werden, vndt ſie ihren Gottesdienſt wie vorher verrichten, doch zuuor ein vergleich vndt außtheylung der Zeit, vndt ſtunden, gemacht, vndt kein theyll, alß dan, dem andern an den diuinis verhinderlich ſein ſoltte; hier⸗ auff der Hr. Schultheiß das fürſtlich mandat exhibirt, welches mitt gebührlicher reuerentz angenommen, offent⸗ lich abgeleſen, vndt nochmahlen von Herrn Schultheißen bedenckzeit[weill daß werck hochwichtig vndt nicht allein Burgermeiſtere vndt Rethe ſondern die ganze bürgerſchafft concernirte, vndt die gewißen rührte] biß vff den an⸗ dern morgen begehrt worden, vff daß Zuforderſt mitt den abweſenden deß Raths, vndt der bürgerſchafft man ſich notturfftig dero ſachen wichtigkeit nach, vnderreden, vndt eines geſampten ſchlußes vergleichen mögte, welch dila- tion von mehr wollermelttem Herrn Schultheißen gegeben anderen tagks frühe der gantze Rath ſambt den vor⸗ gengern der Gemeindt, vndt Zünfften Zum Rathhauß erfordert, vndt verabhandlet worden alß volgt:

Anfangs iſt dasjenige, waß der Hr. Schultheiß vorigen Tagks Hrn. Bürgermeiſtern vndt den anweſenden von dem ober Schöpffenrath proponirt gehabet, dem gantzen Nath, wie nicht weniger folgents den Vorgengern der Gemeindt, vndt Zünfften in der großen rathſtuben vorgehaltten, vndt das patent offentlichen verleſen, ihnen auch vnderſaget worden, das ſie ſobalden ihre mittglieder zuſammen fordern laßen vndt ihnen ſolches collegialiter

*) Rommel B. 8, S. 259.